Michael Kronacher

Zusammenfassung des Vortrages

Keine Grundsatzrede sollte der Vortrag Michael Kronachers von der Agentur Becker/Kronacher seinen eigenen Worten zufolge werden – dafür gab es einen authentischen Einblick in die Welt des Wahlkampfes im Medienzeitalter.
Im ersten Teil skizzierte Kronacher, der als Strategie- und Kampagnenberater unter anderem Gerhard Schröder seit dessen politischen Anfängen in Niedersachsen erfolgreich durch viele Wahlkämpfe geführt hat, die gegenwärtige Ausgangssituation, der sich Politiker, Parteien und Wahlkampfstrategen gegenübersehen: Die Konstellation einer „Großen Koalition“ sowie die Krise auf den Finanzmärkten und die daraus erwachsenden Anforderungen an Politik und Staat stellten eine vollkommen neuartige Situation dar, so Kronacher. Politische Entscheidungen würden im Konsens getroffen und politische Richtungsunterschiede würden an Bedeutung verlieren. Diese Faktoren würden die Finanzkrise nicht nur tendenziell zu einem unpolitischen, sondern vor allem zu einem wahlkampfungeeigneten Thema machen.

Der Reliabilitätsverlust demoskopischer Wahlprognosen, offene bleibende Fragen („Warum scheint die FDP und nicht die SPD von der Krise zu profitieren?“) und die immer noch mangelhaften Kenntnisse über die Ursachen der Wirtschaftskrise seien weitere Faktoren, die dazu führen, dass man als Strategieberater noch mehr als sonst intuitiver und situativer reagieren müsse und auch vor improvisatorischen Elementen bei der Planung nicht zurückschrecken dürfe.

Mit einem praktischen Ausschnitt seiner Arbeit für die SPD unterlegte Kronacher im zweiten Teil seines Vortrags diese Entwicklungen. Das nach seiner Ansicht nicht vorhersehbare und nicht vorhergesagte Wahlergebnis der Sozialdemokraten bei der Europawahl habe zu einer für die Partei gefährlichen kommunikativen Dynamik in den Medien geführt, die es zu durchbrechen galt. Als strategische Chance bot sich dazu der SPD-Parteitag an. Er wurde dramaturgisch mit der Ausrichtung auf die Person des Kanzlerkandidaten, der argumentativen Natur seiner Rede und schließlich auch der puristischen Performance geplant und habe aus dieser „Alles-oder-Nichts“-Situation einen Erfolg gemacht.



Letzte Aktualisierung 20.06.2009 von aknaut
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