Bettina Gaus

Abstract des Vortrages

Hat Barack Obama die US-Präsidentschaftswahlen per Internet gewonnen? Nein. Das Medium mag zu seinem Sieg beigetragen haben - aber seine Bedeutung für den Wahlausgang wird häufig überschätzt. Welche Rolle das Netz tatsächlich spielte, warum es überschätzt wird und wo die Gefahren liegen, wenn Verpackung mit Inhalt verwechselt wird: Das ist Thema des Vortrags der Publizistin Bettina Gaus, die im Vorfeld der Wahlen etwa ein Jahr lang durch die Vereinigten Staaten reiste und darüber ein Buch veröffentlicht hat: "Auf der Suche nach Amerika. Begegnungen mit einem fremden Land."


Zusammenfassung des Vortrags

Viele Stimmen behaupten, Barak Obama hätte die Präsidentschaftswahlen 2008 in den USA ausschließlich mit Hilfe des Internets gewonnen. Bettina Gaus, Publizistin und Korrespondentin der taz ist da jedoch anderer Meinung: Das Medium mag zu seinem Sieg beigetragen haben, aber seine Bedeutung für den Wahlausgang wird häufig überschätzt, so Ihre These. In der mittlerweile achten Veranstaltung der Ringvorlesung „apropos Wahlkampf“ schilderte sie, welche Rolle das Internet tatsächlich im amerikanischen Wahlkampf spielte und warum es gefährlich sei, den Inhalt mit dem Inhaltsträger, dem Medium, zu verwechseln.

Frau Gaus reiste 2007 ein Jahr lang durch die USA und verfolgte den Wahlkampf – allerdings nicht, wie die meisten ihrer Kollegen, in Washington oder den Wahlkampfzentralen, sondern in den ländlichen Gebieten. Dabei konnte die Referentin feststellen, dass es in den USA aufgrund der Größe des Landes und seiner Bevölkerungszahl viel schwieriger sei, mit den Wählern direkt in Kontakt zu treten. Entsprechend dienten Blogs, Newsletter und E-Mails im Wahlkampf hauptsächlich dazu, reale Aktionen, wie Picknicks, Partys oder Nachbarschaftstreffen zu starten und zu koordinieren. Es wurde folglich nur ein neues Medium benutzt, um alte Wahlkampfmethoden besser anwenden zu können. Gründe für den Sieg Obamas seien eher andere gewesen: Die ungünstige Ausgangslage McCains (Bush als Vorgänger), die Wirtschaftskrise und der Charme und das Charisma Obamas.

Abschließend stellte Bettina Gaus fest, dass Obama selbst ein Interesse daran habe, genau diesen Mythos des Sieges durch den Einsatz des Internets weiter zu bedienen. Schließlich könne man sich dann leichter und glaubwürdiger mit den Adjektiven „modern“, „transparent“ und „demokratisch“ schmücken.

Letzte Aktualisierung 25.03.2009 von aknaut
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