Ulrich Sarcinelli

"Politik als Theater: Nicht nur, aber auch"



Zusammenfassung des Vortrages

„Jeder sieht, was Du scheinst und nur wenige fühlen, was Du bist.“. Mit diesem Zitat aus Niccolo Machiavellis Werk „Der Fürst“ eröffnete Ulrich Sarcinelli, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Koblenz-Landau seinen Vortrag „Politik als Theater. Nicht nur, aber auch“.

Sarcinelli betonte, dass Politik sich immer schon der Inszenierung bedient habe und diese Inszenierung nicht notwendigerweise negativ zu konnotieren sei. Die Metapher des Theaters, stellvertretend für politische Kommunikation, muss seiner Meinung nach entdämonisiert werden. „Wir alle spielen Theater“, so Sarcinelli.
Dass Inszenierung keine Entwicklung der Mediengesellschaft sei, begründete Sarcinelli, mit Hinweis auf das Hambacher Fest, das schließlich auch ohne spin-doctors und Medienberater eine starke öffentliche Wirkung erzielt habe.
Mit dem weitverbreitetem Irrtum, dass Politik als Theater eine reine Unterhaltungsmasche sei und keine Bedeutung für das politische System habe, wollte Sarcinelli aufräumen.
Vielmehr legitimiere sich politisches Handeln über die Kommunikation mit dem Bürger und dieser wolle nicht nur informiert, sondern auch unterhalten werden.
Die präpolitischen Kommunikationsvorstellung der deutschen Gesellschaft, die Politik mit Verwaltung und Recht assoziiere und ein „Politik-pur-Denken“ habe, sieht Sarcinelli als Resultat der späten deutschen Demokratieentwicklung. Notwendig sei die Unterscheidung zwischen zwei politischen Wirklichkeiten.
Auf der einen Seite befinde sich die äußere, spektakuläre Erscheinungsform der Darstellungspolitik, auf der anderen finde die Entscheidungspolitik im „Handlungskorridor eines spezifischen institutionellen Rahmens“ statt. Sarcinelli verwies auch auf die Gefahren des politischen Theaterspielens.
Die Notwendigkeit der medialen Inszenierung dürfe nicht dem politischen Inhalt weichen. „Politik darf sich nicht auf die Legitimation des Augenblicks reduzieren lassen“, so sein Plädoyer.
Auch an den Akteuren der Mediengesellschaft übte Sarcinelli Kritik. Die Professionalisierung von Journalisten, welche eine immer bessere Ausbildung genössen, münde in einer abnehmenden politischen Professionalität. Neben einer Reduzierung auf Nachrichtenwert würden die Medien aufgrund ihrer zunehmenden Kommerzialisierung auch beliebiger werden. Diese Entwicklung schwäche die Parteien, die statt auf Ehrenamtliche auf medial geschulte Berufspolitiker setze.

Abschließend gab Sarcinelli einen positiven Zukunftsausblick: Er konstatierte, dass die Demokratie und ihre Institutionen durchaus über genug Abwehrmechanismen und Stärke verfügten, um dem medialen Inszenierungsdruck standzuhalten, somit könne Politik weiter Theater sein: Nicht nur, aber auch!


Letzte Aktualisierung 08.07.2008 von aknaut
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