Robert von Rimscha

"Ein schwieriger Dauerspagat: Die Partei in die Presse und die Presse zur Partei bringen"

Abstract des Vortrages

Die harsche Medien-Schelte von Kurt Beck und anderen Spitzen-Sozialdemokraten ("Rudel-Journalismus") hat eine neue Diskussion über das Verhältnis von Presse und Politik ausgelöst. Haben sich unter dem Druck ökonomischer Zwänge die Eigengesetzlichkeiten des Journalismus in eine Richtung entwickelt, die die Vermittlung politischer Inhalte nahezu unmöglich macht? Robert von Rimscha, Sprecher der FDP und zuvor 13 Jahre lang Redakteur und Ressortleiter beim "Tagesspiegel", beschreibt aus der Kenntnis beider Seiten die maßgeblichen Entwicklungen und die Möglichkeiten der Politik, nichtsdestotrotz "durchzudringen". Am Beispiel der heißen Phase im Bundestagswahlkampf 2005 skizziert er, wie der zugespitzten
Wahrnehmung von Union und SPD als angeblich einzigen politischen Akteuren entgegen gearbeitet werden kann.


Zusammenfassung des Vortrages

Im Abschlussvortrag der diesjährigen Ringvorlesung warf Robert von Rimscha, Sprecher der FPD und zuvor lange Redakteur und Ressortleiter beim Tagesspiegel, einen kritischen Blick auf Entwicklungstendenzen in der Beziehung von Politik und Medien in der Hauptstadt.

Von Rimscha bedauerte unter anderem Veränderungen im Bezug auf das journalistische Ethos: Es ginge häufig nicht mehr darum politische Prozesse realitätsnah zu begleiten und zu erklären („journal of records“), sondern das Mitgestalten politischer Abläufe und das Schreiben von zitierfähigen „Geschichten“ rücke bedingt durch ökonomische Zwänge in den Vordergrund. Entsprechend würden sich Redaktionen zunehmend „Geschichten überlegen“ und anschließend versuchen, passende O-Töne dazu aufzutreiben, mit teils skurrilen Ergebnissen, wie von Rimscha an Hand von mehreren Beispielen aus seinem Arbeitsalltag illustrierte.

Eine weitere bedenkliche Tendenz beträfe die intensive Vorberichterstattung über politische Termine wie Parteitage oder Gipfeltreffen. Dabei würden diese durch die Medien oftmals derart hochstilisiert und mit Erwartungen verbunden, die die Veranstaltungen anschließend nur enttäuschen können.

Als Beispiel für eine verzerrte Abbildung der politischen Realität rekapitulierte von Rimscha anschließend ausführlich die „Zuspitzung auf zwei Parteien“ im Rahmen der Fernsehduelle im Bundestagswahlkampf 2002. Er zeigte außerdem auf, mit welchen Mitteln seitens der FDP 2005 versucht wurde, der erneut einseitigen Darstellung von Union und SPD als vermeintlich einzigen relevanten politischen Akteuren entgegen zu arbeiten.

Die verzerrte Darstellung und Vermittlung politischer Inhalte habe für eine demokratische Gesellschaft langfristig schwerwiegende Folgen, warnte von Rimscha abschließend. Politikverdrossenheit, Entparlamentarisierungstendenzen und damit verbunden die Auffassung „Politik ist, was die Regierung sagt“ seien schon heue erkennbar.
Zu begrüßen sei allerdings, dass die jüngste Medienschelte von u. a. Kurt Beck eine neue Diskussion über das Verhältnis von Medien und Politik in Berlin initiiert habe und somit gegebenenfalls eine Phase der Selbstreflexion der Medien auslösen wird.


Letzte Aktualisierung 03.07.2008 von aknaut
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