"Hinterfragen, verkaufen, berichten: Die alltäglichen Zielkonflikte zwischen politischer Kommunikation und politischem Journalismus"
Abstract des Vortrages
Schreibt ein guter Journalist die Wahrheit? Kann man einem guten Pressesprecher trauen? Einfache Fragen, sollte man meinen. Manche werden auf beide Fragen mit Nein antworten. Doch dann kommt vielleicht immerhin noch ein „aber“. Der Alltag fordert, zum Beispiel, für gute Journalisten oder Sprecher ja immer auch die Gratwanderung zwischen unterschiedlichen, in sich recht logischen Welten. Politische Kommunikation und politischer Journalismus: Dazwischen bleibt ein Spannungsfeld, ein Platz gegenseitiger Missverständnisse. Aber, wenn es gut geht, gibt es auch einen gemeinsamen Anspruch: die Demokratie vor noch mehr Beliebigkeitspolitik und Medienpopulismus zu bewahren.
Zusammenfassung des Vortrages
„Der Anspruch von sowohl Journalisten als auch Sprechern muss es heute sein, die Demokratie vor noch mehr Beliebigkeitspolitik und Medienpopulismus zu bewahren“, so der Appell des Vortrages von Richard Meng, der sich mit dem Spannungsfeld zwischen politischem Journalismus (Medien) und politischer Kommunikation (Politik) beschäftigte.
Ein Spannungsfeld, welches Meng sehr lebhaft auf Basis seiner persönlichen Erfahrungen schildern konnte – denn Meng selbst hat im vergangenen Winter die „Welten gewechselt“: Nach 23 Jahren als führender Journalist bei der Frankfurter Rundschau wurde er Sprecher des rot-roten Senats von Klaus Wowereit. Eine Entscheidung, die Meng vor allem, aber nicht ausschließlich, mit persönlichen Gründen wie der Lust auf Veränderung erklärte. Nicht zuletzt seien aber auch die strukturellen Veränderungen im Mediensystem ausschlaggebend gewesen. Komplexität, Kontingenz und die enorme Beschleunigung unserer Gesellschaft verbundenen mit wirtschaftlichem Wettbewerb führten dazu, dass man als Journalist heute oft nicht mal mehr in der Lage sei, die Themen einer Zeitung einen Tag im Voraus zu planen und aufgrund der rasanten, kurzlebigen Themenabfolge oft auch gar nicht mehr wüsste, was eigentlich letzte Woche noch „top“ war und warum, so Meng. Dies habe mitunter einen „Tod der Aufklärung“ zur Folge, also eine Verkürzung und Verflachung der politischen Inhalte auf die Frage, wer sich nun durchgesetzt oder nicht durchgesetzt hat. Damit geriete der selbstreflexive Blick auf „das große Ganze“, also auf das, was eigentlich wichtig sei, nämlich das Verteidigen unserer Demokratie, aus dem Blick, so das bedauernde Urteil Richard Mengs.
In seiner neuen Position habe er bereits nach wenigen Wochen und einigen „Fremdheitserlebnissen“ persönlich festgestellt, wie sehr die Rolle des Sprechers auch immer eine Gratwanderung im Spannungsfeld zwischen zwei ganz unterschiedlichen Systemwelten (Politik und Medien) mit ihren jeweils eigenen Rationalitäten, Zeitabläufen und Logiken sei.
Bei der Bewältigung dieser Gratwanderung käme ihm seine jahrelange Erfahrung in einer dieser beiden Welten natürlich zu Gute – gleichzeitig betonte er aber auch, dass sein Verständnis für und sein Respekt vor der anderen Welt, der Politik und vor allem ihren archaischen Strukturen (im Sinne des täglichen Kampfs um Macht oder Nicht-Macht), bereits nach kurzer Zeit enorm gestiegen sei.
Sich selbst möchte Meng im Rahmen dieser Gratwanderung eher als „Erklärer“, denn als Verkäufer, verstanden sehen. Denn, so seine Begründung: Ein Verkäufer könne jede Ware verkaufen, „egal ob Badewanne oder Bohrer“. Ihm aber käme es auf den Bezug zu seiner „Ware“ an, auf das Erklären von Zusammenhängen und Hintergründen der Politik – um so einen Beitrag für die Verteidigung unseres kostbarsten Gutes, der Demokratie, zu leisten, so Mengs Fazit.