"Inhalt oder Zuspitzung – politische Kommunikation in der Opposition"
Abstract des Vortrages
Was oft als Widerspruch erscheint - Schlagzahl und Zuspitzung der Medienberichterstattung zu nutzen und durchdachte Konzepte zu vermitteln – ist im Alltag kaum voneinander zu trennen. Politische Kommunikation braucht beides. Insbesondere in einer Welt, in der sich politische Berichterstattung und Kommunikation grundlegend verändert hat.
Zusammenfassung des Vortrages
Nicht „Inhalt oder Zuspitzung“, sondern „Inhalt und Zuspitzung“ so müsse eine erfolgreiche Oppositionsstrategie lauten, argumentierte Renate Künast in Ihrem Vortrag über politische Kommunikation in der Opposition.
Künast beschrieb darin zunächst anhand von konkreten Beispielen die Besonderheiten der medialisierten Berliner Republik, die über ihre ganz eigenen Aufmerksamkeitsregeln verfüge. Mit rein inhaltlichen Meldungen zu komplexen Themen käme man entsprechend nicht weit, insbesondere nicht als Opposition, da die Regierung einen strukturellen Aufmerksamkeitsvorteil innehabe, so die Analyse Künasts.
Zuspitzung sei daher ein notwendiges Tool, eine Art „Türöffner“, um inhaltliche Botschaften der Opposition doch noch zu platzieren. Dabei seien jedoch drei Regeln zu beachten:
Zunächst sei es wichtig, dass die Zuspitzung nicht völlig zu Lasten einer inhaltlichen Botschaft gehe, eine Kernaussage, ein Kernziel müssen auf jeden Fall noch erkennbar sein - andernfalls wirke die Zuspitzung schnell lächerlich. Als Beispiel für eine gelungene Zuspitzung nannte Künast u. a. ihre Aussage „Wissen was drin ist“ zum Verbraucherinformationsgesetz.
Zweitens sei es wichtig, die Zuspitzung auf eine Person und ihren politischen Stil zu zuschneiden, um Glaubwürdigkeit und Authentizität zu bewahren, berichte Künast. So könne sie sich glaubwürdig zu Verbraucherfragen äußern, Fischer hingegen nähme man das nicht ab, er sei der „Außenpolitiker“ und Trittin werde bei Umweltpolitik für „voll“ genommen.
Nicht zuletzt müsse auch der gesellschaftliche und zeitgeschichtliche Kontext beachtet werden, denn nicht jede Zuspitzung sei in jedem Kontext angebracht. Als Negativbeispiel nannte Künast in diesem Zusammenhang die Aussage „Alle reden über Deutschland – wir reden übers Wetter“ der Grünen in den neunziger Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung.