"Politische Kommunikation im Internet: Viel Lärm um nichts?!"
Abstract des Vortrages
Von Blogs zu Podcasts, Second Life und YouTube, Facebook oder Twitter: Im Internet jagt ein Hype den nächsten. Zwischen technologischem Modernisierungsdruck und medialer Peinlichkeitsfalle versucht auch die Politik, im „Web 2.0“ Aufmerksamkeit - und letzten Endes Zustimmung - der Bürger zu mobilisieren. Krogmann wirft einen kritisch-nüchternen Blick auf die Realität der politischen Online-Kommunikation und verknüpft ihre Thesen mit eigenen Erfahrungen als Abgeordnete, Parlamentarische Geschäftsführerin und ehemalige Internetbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
Zusammenfassung des Vortrages
„Ich glaube nicht, dass es radikale Veränderungen [in der Politik] geben wird. […] Wenn man heute als Politiker etwas Dummes sagt, dann wird es bald auf YouTube zu sehen sein. Darüber werden noch viele Politiker straucheln. Das wird aber nicht die Machtstrukturen in der Politik ändern, nur den Typus Politiker, der Erfolg haben wird“ - mit diesem Zitat von Tim O` Reilly, der den Begriff des „Web 2,0“ maßgeblich prägte, schloss Martina Krogmann ihren Vortrag zur politischen Kommunikation im Internet. Krogmann warf darin einen nüchternen Blick auf die Realität der politischen Online-Kommunikation und verknüpfte ihre Thesen mit eigenen Erfahrungen als parlamentarische Geschäftsführerin und ehemalige Internetbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
Dabei konstatierte sie zunächst, dass der Zustand einer „digitalen Spaltung“ auch auf die Abgeordneten des Bundestages zutreffe, wonach das Ausmaß der Nutzung des Internets und anderen digitalen Kommunikationsmedien zwischen den einzelnen im Bundestag vertretenen Partei-, Alters- und Berufsgruppen von „totaler Verweigerung“ bis hin zu „totaler Begeisterung“ stark variiere. Die meisten Abgeordneten seien in der Mitte zwischen diesen beiden Polen zu verorten, dies bedeute, die meisten Abgeordneten hätten zwar eine eigene Homepage und nutzten auch das parteiinterne Intranet, mehr allerdings nicht. Die Abgeordneten, die nicht nur auf dieses statische „Web 1,0“, sondern auch auf das interaktive „Web 2,0“ in Form von Youtube, Flickr, Facebook oder Twitter setzen, seien an lediglich einer Hand abzuzählen, berichtete Krogmann.
Dies erklärte sie u.a. damit, das den Vorteilen des Web 2,0 (insbesondere ein Mehr an Transparenz, Bürgernähe und Schnelligkeit sowie dem Fehlen der klassischen medialen „Gatekeeper“ und der Möglichkeit der Nutzung von Blogs und Foren als neue Themenindikatoren und Stimmungsbarometer) nach wie vor negative Aspekte entgegen gehalten werden: So fürchten viele Politiker vor allem den „Brennglaseffekt“ und die „Archivfunktion“ des Internets, also die Umstände, dass sich selbst kleinste Peinlichkeiten und Versprecher auf dem Marktplatz eines Dorfes via Handykamera im Internet rasant, global und unaufhaltsam verbreiten und sich anders als im Fernsehen nicht versenden, sondern für jedermann jederzeit weiterhin abrufbar bleiben (siehe Stoiber und der Transrapid). Hinzu käme die Frage nach der Glaubwürdigkeit, die viele Politiker für sich selbst noch nicht abschließend entschieden hätten, so Krogmann weiter: Noch sei es wenig glaubwürdig, wenn ein älterer Politiker mit konservativem Wahlkreis plötzlich „bunte Filmchen bei Youtube“ präsentiere, zumal er damit sein klassisches Wählerklientel (noch) nicht erreiche und sich stattdessen womöglich in eine „mediale Lächerlichkeitsfalle“ begebe.
Krogmanns abschließende These lautete entsprechend, dass die politische Kommunikation im Web 2,0 in Deutschland zwar in den Startlöchern stehe und seit dem Wahlkampf 2005 auch ständig weiterentwickelt würde, aber – anders als derzeit in den USA, wo man laut Krogmann den ersten wirklichen Web 2,0 Wahlkampf beobachten könne – 2009 noch nicht wahlentscheidend sein wird. Die Aussage „Politische Kommunikation im Internet - Viel Lärm um nichts“ sei daher mal mit einem Fragezeichen und mal mit einem Ausrufezeichen zu versehen und zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschließend zu beurteilen.