Dass die Zeitung als Medium in der Krise steckt lässt sich auch an der Welt nachvollziehen. Weil mit der normalen Tageszeitung Die Welt keine ausreichende Auflage erzielt werden konnte, wurde die Welt Kompakt im Tabloid-Format entwickelt, die ein anderes Publikum ansprechen sollte. Trotz dieser Bemühung arbeiten beide Zeitungen defizitär. Als Ursachen für diese negative Entwicklung des Pressemarktes benennt Thomas Schmid, der Chefredakteur der Welt, die Krise des Anzeigengeschäfts und die große Konkurrenz der neuen, schnelleren Medien. Darüber hinaus stünden Zeitungen heute vor dem Problem, die jüngere Generation nicht automatisch als nachwachsende Leserschaft zu gewinnen. In dieser Situation sieht Schmid Handlungsbedarf bei den Zeitungsmachern, um den prophezeiten Niedergang abzuwenden: Zeitungen müssten sich wandeln.
Thomas Schmid begreift Zeitungen heute nicht mehr als primäre Informationsquelle, sondern als Dienstleistung. Darum müsse sich auch das Selbstverständnis einiger Journalisten verändern, die ihren Beruf als "hoheitliche Aufgabe" und sich selbst als "Schöpfer eines Werkes" empfänden. Eine Zeitung könne es sich heute nicht mehr leisten, die Bedürfnisse ihrer Leser unberücksichtigt zu lassen. Trotzdem müsse eine Qualitätszeitung auch "Minderheitenthemen" genügend Raum geben.
Eine weitere Möglichkeit dem wirtschaftlichen Druck zu begegnen, demonstriert der Berliner Verlag, zu dem auch die Welt gehört. Die Zusammenlegung der Redaktionen verschiedener Formate führt zu Kosteneinsparungen, birgt aber auch die Gefahr, die Stile der Zeitungen zu verwischen. Die Beschleunigung der Zeitung und die Beteiligung am medialen Hype durch Erhöhung des Farbanteils und der Erotik stelle dagegen keine Lösung für die aktuellen Probleme dar. Printmedien könnten den Wettlauf mit den elektronischen Medien nicht gewinnen, sollten stattdessen entschleunigen und Tiefe herausarbeiten. Schmid betont hierbei die Vereinbarkeit der vermeintlichen Antagonisten Unterhaltung und Analyse.
Zeitungen blieben auch in Zukunft integraler Bestandteil der Medienlandschaft, wenn es ihnen gelänge, den Balanceakt zwischen ökonomischem Zwang und journalistischem Anspruch zu meistern.