DeutschlandTREND - Meinungsforschung zwischen Macht und Medien
Kreist die Meinungsforschung eigentlich nur um die Sonntagsfrage? Welchen Einfluss auf das Wahlverhalten haben Meinungsumfragen?
Diesen Fragestellungen ging Richard Hilmer in seinem Vortrag „DeutschlandTREND - Meinungsforschung zwischen Macht und Medien“ nach. Der Geschäftsführer von Infratest dimap machte mit seinen Ausführungen über die Programm-, Meinungs- und strategische Forschung deutlich, dass das Aufgabenspektrum von Meinungsforschungsinstituten viel weiter reicht als häufig angenommen. Während sich die Programmforschung, die ex ante oder ex post durchgeführt werden kann, mit der exakten Beschreibung, Analyse und Bewertungen von politischen Initiativen und Gesetzen befasst, strebt die Meinungsforschung eine umfassende Beschreibung der Wahrnehmung und Bewertung von Politik durch die Bürger an. Letztere macht zwar nur 5% des Gesamtgeschäfts aus, entfaltet durch ihren hohen Veröffentlichungsgrad aber eine große Publikumswirkung. Im breiten publizistischen Echo erkennt Hilmer eine Kontrollfunktion der Meinungsforschung gegenüber der Politik. Die veröffentlichen Ergebnisse gäben zum einen der Politik Orientierung und dienten zum anderen den Bürgern als Selbstvergewisserung.
Um Meinungsbilder aus Stichproben auf die Grundgesamtheit der Wahlberechtigten verallgemeinern zu können, kommt es laut Hilmer darauf an, den richtigen Leuten auf dem richtigen Weg die richtigen Fragen zu stellen und diese Zahlen richtig zusammenzuzählen und zu interpretieren. Von zentraler Bedeutung sind für den Geschäftsführer von Infratest dimap hierbei die maximale Transparenz und eine gute Nachprüfbarkeit der erzielten Ergebnisse.
Natürlich hat sich die Arbeit von Meinungsforschungsinstituten in den letzten Jahren gewandelt. Am Beispiel des Eurobarometers wird deutlich, dass Politikforschung heute keine nationale Forschung mehr ist, sondern eine internationale Zusammenarbeit erfolgt. Als aktuelle Herausforderungen der Meinungsforschung benennt Richard Hilmer die Änderung der Parteienlandschaft, die sinkende Wahlbeteiligung, die Zunahme der unentschlossenen Wähler (u.a. durch schwindende Parteibindung), die wachsende Bedeutung externer Einflüsse wie den Wahlkampf der Parteien und TV-Duelle und die Zunahme strategischen Wählens. Sogenannte „splitting-Wähler“ konsumieren Wahlumfragen und leiten ihr Wahlverhalten aus taktischen Gründen davon ab. Trotzdem ist der Geschäftsführer von Infratest dimap der festen Überzeugung, dass Wahlen nicht durch Umfrageergebnisse manipuliert werden. Meinungsumfragen trügen vielmehr zu durchdachten Wahlentscheidungen bei, da sie kritisch genutzt würden. Sie böten den Bürgern die Chance zur Artikulation und stärkten somit die Demokratie.