Der Zwischenruf unterbricht im Parlament eine zähe Rede und wirkt provozierend, polemisierend und störend. Mit seiner wöchentlichen Kolumne "Zwischenruf aus Berlin" im stern möchte Hans-Ulrich Jörges dieselben Reaktionen auslösen.
Den Titel "Zwischenruf" erfand der jetzige Leiter des stern-Hauptstadtbüros in seiner Zeit bei der Woche. Als am 8. Mai 2002 die erste Kolumne veröffentlicht wurde, war der stern-Redaktion und selbst dem Autor nicht ganz klar, was daraus werden würde. Die kritischen Anfangsstimmen sind mittlerweile verstummt. Der "Zwischenruf" hat sich inzwischen als Marke etabliert und erreicht einen hohen Aufmerksamkeitswert. Jörges betont, dass die Kolumne nur seine eigene Meinung widerspiegele und keinen Einfluss auf die Arbeit der Berliner Politik-Redaktion des stern habe.
Der "Zwischenruf aus Berlin" soll kein Tageszeitungskommentar sein. Die Intention des Autors liegt in der Verwirklichung der Freiheit: Der Freiheit des Denkens, Handelns, Kritisierens und der Freiheit von politischen Linien, Ideologien und Verpflichtungen. Jörges verfolgt darüber hinaus den normativen Anspruch der Wahrhaftigkeit im Sinne von "subjektiver Ehrlichkeit".
Als grundsätzliches Problem für Journalisten empfindet der Leiter des stern-Hauptstadtbüros die Spannung zwischen Nähe und Distanz zur Politik. Um seine Kritikfähigkeit gegenüber den politischen Eliten nicht zu gefährden, pflegt Jörges keine persönlichen Kontakte zu Politikern und gehört keinem Hintergrundkreis an.
Auch im Ausland kommt Jörges Unabhängigkeit gut an: Die englische Financial Times wählte ihn 2006 zum einflussreichsten deutschen Kommentator.