Claudia Nothelle

Claudia Nothelle (Zusammenfassung)

Die "Dritten" zwischen Qualität und Quote
Mit den "Dritten zwischen Qualität und Quote" beschäftigte sich die letzte Vorlesung der Reihe "Markt, Macht, Medien" am 11. Juli 2007. Claudia Nothelle, die Chefredakteurin des rbb-Fernsehens zeigte am Beispiel der Dritten, dass Qualität und Quote nicht unbedingt in Konkurrenz stehen müssen.
 
Nothelle schloss an die Diskussionen um Quote (Inge Mohr) und Qualität (Martin Lindner) an. Gemeinhin werden Quote und Qualität als zwei sich gegenüber stehende, unversöhnliche Parameter gehandelt: Auf der einen Seite stehen die Fernsehmacher, die sich an der Quote als simples Messinstrument für Akzeptanz orientieren und auf der anderen Seite streiten Wissenschaftler, Publizisten, kulturell Interessierte für mehr Qualität. Deren Debatten enden freilich regelmäßig mit der Einsicht, dass Qualität relativ ist und nicht einfach zu messen ist. Fazit: Über Qualität lässt sich streiten, über Quoten nicht.
 
Dieser populären antagonistischen Sichtweise setzte Claudia Nothelle drei Thesen entgegen:
1. Das Ansehen ist wichtiger als die Quote: Themen und Sendungen können bei den öffentlich-rechtlichen auch ohne Orientierung an die Quote gestaltet werden.
2. Ein bisschen Quotendruck tut gut: Denn auch die öffentlich-rechtlichen Sender sind darauf angewiesen von einem breiten Publikum angenommen zu werden, wollen sie nicht ihre Existenzberechtigung verlieren.
3. Quote und Qualität sind kein Widerspruch. Die Kunst ist, beides zu verbinden: Denn wahre Qualität setze sich durch.
 
Wo aber stehen hier die dritten Programme: Klar ist, der Platz der Dritten im Wettbewerb um Zuschauer hat sich verändert: Wurden die Dritten Programme früher in den zugehörigen Regionen gesehen, kann wer will, heute, neben ARD, ZDF und –zig privaten Programmen,  auch in Bayern NDR, rbb und wdr sehen. Die Zielgruppe wird größer, die Konkurrenz hat sich vervielfältigt. Mit der steigenden (privaten) Konkurrent hat sich auch das Selbstverständnis der Dritten gewandelt: Verstanden sie sich noch zu Beginn vor allem als "regionales Ergänzungsangebot mit intellektuellem Anspruch" und fand die Berichterstattung aus den Regionen vor allem in der ARD statt, sind die  Dritten heute zu "regionalen Vollprogrammen" geworden.
Die regionale Färbung als Alleinstellungsmerkmal der Dritten bringt ein Problem mit sich: Das Durchschnittalter der Zuschauer liegt um die 60 Jahre. Claudia Nothelle plädiert hier für eine "vorsichtige Verjüngung" mit dem Ziel, in der Berichterstattung, die Anliegen aller Generationen aufzunehmen.
 
Summa summarum sei die Quote für den rbb ein "Erfolgsfaktor, der die Programmentwicklung begleitet, aber nicht dominiert." Der andere Erfolgsfaktor heißt Qualität. Für die Zuschauer heißt das, sie sollen ein breites Programm angeboten bekommen, wo Information, Bildung und Kultur genau so einen Platz hat wie Unterhaltung und Sport.
Oder: Quote durch Qualität machen!

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Letzte Aktualisierung 04.03.2008 von aknaut
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