Barbara Witte

Prof. Barbara Witte (Zusammenfassung)

Gehört die Zukunft dem Netz? Politik digital

Die Wahrnehmung und Benutzung des Internets hat sich seit dem Beginn seiner rasanten Verbreitung Ende des 20. Jahrhunderts grundlegend verändert. User konsumieren heute nicht nur die Inhalte zentral erstellter Homepages, sondern wiren als aktive Web 2.0-Autoren. Typische Beispiele dafür sind Wikis, Weblogs und Podcasts. Prof. Barbara Witte ging in ihrem Vortrag "Gehört die Zukuft dem Netz? Politik digital" den Fragen nach, wie Politiker auf diese Entwicklungen reagieren und welche Chancen und Risiken damit verbunden sind.

Laut Witte hat die Internetkommunikation auch die deutsche Politik erreicht, allerdings finden sich interaktive Elemente vor allem bei Spitzenpolitikern. Politische Weblogs tauchten erstmals im Wahljahr 2005 auf. Seit dem 8. Juni 2005 informiert Angela Merkel die Öffentlichkeit mithilfe eines eigenen Videocasts über wichtige politische Ereignisse. Dieser wird eigens von PR-Profis entworfen und bedient die Sehgewohnheiten der Masse. Witte führt das Fehlen solcher Kommunikationsformen bei anderen Politikern auf die nicht unerheblichen Produktionskosten (ca. 16.000 Euro pro Videocast), die Scheu vor Neuem und die "Angst sich dem gemeinem Volk stellen zu müssen" zurück.

US-amerikanische Politiker sind den deutschen Kollegen hierbei viele Schritte voraus: In den USA werden aufwendige Clips produziert und selbst herkömmliche Online-Communities wie MySpace und YouTube zur Polit-PR genutzt. Um sich von anderen Clips abzuheben, wird der Stil verschärft, da das Bild allein keine Aufmerksamkeit mehr garantiert. Als weitere Wirkungen dieser neuen Kommunikationswege nennt Witte die zunehmende Unterhaltung und die Privatisierung von Politik.

Kritisch merkt Witte an, dass der "digital divide", also das Auseinanderdriften von Regionen mit und ohne Internetzugang, neue Ungerechtigkeiten erzeuge. Zudem gäbe es im Internet keine "gate keeper" mehr, die die Rolle des Journalisten einnehmen und Politik kritisch hinterfragen.

Die neuen Formen politischer Kommunikation bieten daher zwar viele Chancen, die Bevölkerung am politischen Prozess partizipieren zu lassen, sollten jedoch auch auf ihre Mängel geprüft werden.

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Letzte Aktualisierung 04.03.2008 von aknaut
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