Von wegen: Lügenpresse

Ringvorlesung 2016: "Von wegen: Lügenpresse"

Die Bezeichnung „Lügenpresse“ und seine polemische Anwendung ist keineswegs neu, sondern lässt sich über den Gebrauch zur Zeit des Nationalsozialismus hinaus bis auf die Mitte des 19. Jahrhunderts nachweisen. In letzter Zeit erfährt dieser Begriff in Deutschland wieder einen rasanten Aufstieg. Vor dem Hintergrund der Zuwanderung Tausender Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge haben sich rechts-konservative Gruppen wie AfD und Pegida sich diese verallgemeinernde Diffamierung gegen die Medien wieder angeeignet. Wieso aber kommt es gerade jetzt zur massenhaften Misstrauenserklärung gegen die Medien? Und was passiert im Ausland? In Polen, Ungarn, Russland oder auch im Nahen Osten? Ist die deutsche Kontroverse ein Nachhutgefecht zur amerikanischen Schlacht gegen die so genannten Mainstream-Medien oder corporate media? Diesen Fragen widmen sich Britta Hilpert, Wolfgang Herles, Alison Smale, Prof. Dr. Überall, Robin Lautenbach, Aktham Suliman, Prof. Dr, Russ-Mohl und Stefan Niggemeier und bieten in ihren Vorträgen Analysen und Ansichten zur Renaissance eines Kampfbegriffs. Von wegen: Lügenpresse.

 

Die Ringvorlesung wird veranstaltet vom OSI-Club, dem Alumni- und Förderverein am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität, in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin. Sie wird unterstützt vom Journalistenverband Berlin-Brandenburg sowie von Reporter ohne Grenzen.

 

Die Vorträge finden statt vom 25. April bis 20. Juni jeweils montags von 18.00 bis 20.00 Uhr c.t. im Hörsaal A des Otto-Suhr-Instituts in der Ihnestr. 21 in Berlin-Dahlem. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

Eine kurze Zusammenfassung zum jeweiligen Vortrag stellen wir Ihnen unter "Vergangene Termine" auf dieser Seite zur Verfügung.



Überblick über ReferentInnen und Themen:

25. April 2016 

Britta Hilpert: Grenzenlose Pressefreiheit? Medien und Macht im Ausland

 

02. Mai 2016

Dr. Wolfgang Herles: Wie ARD und ZDF ihren Auftrag verfehlen

 

09. Mai 2016

Alison Smale: Warum der Ausdruck Lügenpresse so universal ärgert

 

23. Mai 2016

Robin Lautenbach: Petry und Pegida, Putin und  LePen - alle Macht den Populisten?

 

30. Mai 2016

Prof. Dr. Frank Überall:  Bedrohter Journalismus! Braucht die systemrelevante Instutution einen ideellen Rettungsschirm?

 

6. Juni 2016

Aktham Suliman: "Lügenpresse" in der arabischen Welt- andere Länder, andere "Lügenpresse"?

 

13. Juni 2016

Prof. Dr. Stephan Russ-Mohl: Qualitätssicherung im journalismus in der Aufmerksamkeitsökonomie: Vernachlässigt oder chancenlos?

 

20. Juni 2016

Stefan Niggemeier: Lügenvorlesung

 



25. April: Britta Hilpert

Britta Hilpert

 

Grenzenlose Pressefreiheit? Medien und Macht im Ausland

Wenn es um Pressefreiheit geht, dann macht der Blick über die Grenze zwiespältig. Zuerst beruhigt er: uns geht es ja noch vergleichsweise gut. Dann beunruhigt er: ist das womöglich ein Blick auch in unsere Zukunft? Wie Pressefreiheit eingeschränkt wird im Namen des Kampfes gegen den „liberalen Mainstream“ zeigt uns Polen. Wie Journalisten verunglimpft werden, als Propagandisten im Dienste irgendeiner fremden Macht, zeigt uns Ungarn.  Und wie sie dann manchmal nicht nur „mund“tot gemacht werden, zeigt uns Russland. Über Anfänge, die es wehren gilt, und Zustände, die unfrei machen, spricht Britta Hilpert.
Britta Hilpert, Jahrgang 1966, begann als Cutterin und Kamera-Assistentin für das Fernsehen zu arbeiten. Während des Studiums der Geschichte in Aix-en-Provence und London wurde sie dann auch freiberuflich journalistisch tätig. Seit 1993 berichtet sie für das ZDF unter anderem aus Brüssel, aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, aus Japan und aus Frankreich. In Ihrer Zeit als Studioleiterin Moskau erhielt sie 2004 den Hanns-Joachim-Friedrichs-Förderpreis und wurde Mitglied von Reporter ohne Grenzen. Sie hat unter anderem für das Wirtschaftsmagazin WISO und sowie das „Heute Journal“ gearbeitet. Seit 2009 ist sie Studioleiterin in Brandenburg und reist von dort immer mal wieder für die Berichterstattung ins Ausland.

 

Die gesamte Veranstaltung finden Sie zum Nachschauen auf dem YouTube Kanal von ALEX Berlin:  https://www.youtube.com/watch?v=XTRiLh3St70 sowie hier in der Zusammenfassung

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02. Mai: Wolfgang Herles

Dr. Wolfgang Herles

Wie ARD und ZDF ihren Auftrag verfehlen


In seinem Buch „Die Gefallsüchtigen“ (2015) hat Dr. Wolfgang Herles im vergangenen Jahr scharfe Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk geübt. Er sagt: „Die Debatte um die „Lügenpresse“ zeigt, dass Politik und Medien gemeinsam von Vertrauensverlust betroffen sind. Vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender verfehlen ihren Auftrag im demokratischen Diskurs. Der Populismus der Politik und die Gefallsucht der Medien schaukeln einander auf.“
Seit über 40 Jahren ist Wolfgang Herles in den Medien tätig und zählt zu den profiliertesten deutschen Journalisten. Nach dem Studium der Literaturwissenschaften, Geschichte und Psychologie absolvierte er die Deutsche Journalistenschule in München. Zu seinen beruflichen Stationen zählen der Bayrischen Rundfunk und das ZDF, wo er als Leiter des ZDF-Studios Bonn und Moderator politischer Magazine und Talkrunden für Aufmerksamkeit sorgte. Zu seinem Portfolio gehören das Kulturmagazin „Aspekte“ und die Literatursendung „Das blaue Sofa“. Er ist Autor verschiedener politischer Sachbücher, Romane und Beiträge. Besondere Brisanz erlangte sein Ausscheiden aus dem ZDF Studio Bonn, das seinerzeit von Bundeskanzler Helmut Kohl vorangetrieben wurde.

 

Eine ausführliche Zusammenfassung des Vortrags finden Sie hier.



09. Mai: Alison Smale

Deutschland - USA: Warum der Ausdruck "Lügenpresse" so universal ärgert

 

Die britische Journalistin Alison Smale hat über 30 Jahre für unterschiedliche Auslandsbüros gearbeitet und ihren journalistischen Fokus auf die Berichterstattung aus Deutschland, der früheren Sowjetunion und Osteuropa gelegt. In der Nacht des Mauerfalls am 9. Novembers 1989 war sie in Berlin und überquerte den Checkpoint Charlie zusammen mit den ersten Ost-Berlinern. Sie leitete das Büro für Osteuropa der Associated Press und berichtete vom Aufstieg Slobodan Milosevic sowie den politischen und ökonomischen Änderungen in Russland. Als erste Frau war sie knapp zehn Jahre Redaktionsleiterin und dann Chefredakteurin der International Herald Tribune, der globalen Ausgabe der New York Times. The Independent bezeichnete Smale als "mächtigste britische Redakteurin im Ausland". Im Jahr 2009 erhielt  sie den America Award der Italy-USA Foundation sowie einen Ehrentitel ihrer frühere Alma Mata, der University of Bristol.

Aktuell ist sie Büroleiterin der New York Times in Berlin und Chefkorrespondentin für Deutschland sowie Zentral- und Osteuropa.

 

Den Vortrag in der Zusammenfassung finden Sie hier.

Die Vorlesung können Sie hier online nachschauen: https://www.youtube.com/watch?v=V6xUGHplL54

 

 

 

 



23. Mai: Robin Lautenbach

Petry und Pegida, Putin und  LePen - alle Macht den Populisten? Wie sollen Politik und Medien mit denen umgehen, die die Demokratie Verachten?

 

Rechtspopulisten erreichen überall, auch in gefestigten Demokratien, ein stabiles Viertel der Wählerschaft. Politiker und Journalisten wirken oft hilflos, wenn sie auf die Populisten treffen. Ignorieren oder diskutieren, ernst nehmen oder lächerlich machen? Und wie reagieren wir auf Verschwörungstheorien, die auch schon ein Teil von Putins hybrider Kriegsführung gegen den Westen sind? Robin Lauterbach sieht  die offene Gesellschaft im „Umgang mit den Feinden der Demokratie“ vor einer schwierigen Bewährungsprobe.

Der Politologe, der am OSI studiert hat, begann seine berufliche Laufbahn bei der SFB-Abendschau, wechselte ins Berliner Büro der Tagesschau und arbeitete als Korrespondent im ARD-Studio DDR. Später war er ARD-Korrespondent in Warschau. Seit 2009 ist er TV-Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio. Dort ist er unter anderem verantwortlich für die Berichterstattung über Inneres und Extremismus.  

 

Die Zusammenfassung des Vortrags finden Sie hier.

 

Das Video zum Nachschauen finden Sie unter https://www.youtube.com/watch?v=G6-ZPUX88fw

 

 

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30. Mai: Prof. Dr. Frank Überall

Stephan Überall

Bedrohter Journalismus! Braucht die systemrelevante Institution einen ideellen Rettungsschirm?


Prof. Dr. Frank Überall sieht die jüngsten Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten auch als Angriff auf die Demokratie. "Lügenpresse"-Rufe sind dabei seiner Ansicht nach  nur die Spitze eines kommunikativen Eisbergs. Unter dem Titel  Bedrohter Journalismus! Braucht die systemrelevante Institution einen ideellen Rettungsschirm? wird er am 30. Mai zur Relevanz des Journalismus in der Demokratie sprechen. Darin wird er erläutern, warum er ein gesellschaftliches Umdenken hinsichtlich des Verhältnis von Politik und Medien für notwendig hält und der Wert des Journalismus für den demokratischen Diskurs stärker thematisiert werden sollte. 
Das wechselvolle Verhältnis von Politik und Journalismus hat sich Prof. Dr. Frank Überall zum Lebensthema gemacht, zunächst beruflich, dann auch wissenschaftlich. Bereits seit seiner Schulzeit arbeitete er als freier Journalist bei der DPA, mehreren Zeitungen und "Spiegel Online". Seit 1997 berichtet er für den WDR und die ARD. Nach seinem Studium in Köln promovierte er in Tübingen über den "Klüngel in der politischen Kultur Kölns". Er lehrte an der FH Düsseldorf und wechselte 2012 als Professor an die HMKW Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln und Berlin. Seit November 2015 ist er Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV). 

 

Die Zusammenfassung zur Veranstaltung lesen Sie hier.

 

Das Video finden Sie unter: https://www.youtube.com/watch?v=-wtdgLTASa8

 



06. Juni: Aktham Suliman

Aktham Suliman

"Lügenpresse" in der Arabischen Welt: andere Länder, andere "Lügenpresse"?

Die Enttäuschung anhand der Diskrepanz zwischen der "eigenen Realität" und der "Medienrealität" unterscheidet sich in der Arabischen Welt nicht wesentlich von den bekannten Mustern etwa in Deutschland. Die Lage ist dort zugleich doch eine andere: So ist der Anspruch an den Medien geringer und die Vergleiche werden auch zwischen "Medienrealitäten" aufgestellt. Arabischsprachige Medien aus dem Ausland sind ein Phänomen, das die Medienlandschaft in der Arabischen Welt vor der in Europa und Nordamerika unterscheidet. Wo dieser Unterschied liegt, und welche Spannung davon ausgeht erläutert Aktham Suliman in seinem Vortrag.
In Syrien geboren, studierte Aktham Suliman Publizistik, Politologie und Islamwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Als Korrespondent, Moderator und Redakteur sammelte er erste praktische journalistische Erfahrungen auf Deutsch und Arabisch bei Deutsche Welle Radio. Er war Gründer des Berliner Büros des Nachrichtensenders Al Dschazira, das er bis 2012 leitete. Er kündigte aus Protest gegen die Berichterstattung im Zusammenhang mit dem "Arabischen Frühling". Seit 2012 Freier Journalist und Experte für mehrere deutsch- und arabischsprachigen Medien und Institutionen, wie etwa DW, BBC, RT und SKYNEWS.

 

Eine Zusammenfassung des Texts finden Sie hier.

Das Video finden Sie unter: https://www.youtube.com/watch?v=vJUGDpRli3U

 

 

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13. Juni: Prof. Dr. Stefan Russ-Mohl

Prof. Dr. Stephan Russ-Mohl

Qualitätssicherung im Journalismus in der Aufmerksamkeitsökonomie: Vernachlässigt oder chancenlos?

 

Prof. Dr. Russ-Mohl ist ausgewiesener Experte in den Bereichen Qualität im Journalismus,  redaktionelles Qualitätsmanagement sowie Ökonomik des Journalismus. Immer wieder weist er auf den schleichenden Verfall journalistischer Glaubwürdigkeit hin und sieht die Verantwortung bei den Medienmachern selbst, die sich seiner Analyse zufolge einer Qualitätssicherung der eigenen Arbeit bislang verweigert haben. Die Digitalisierung und der Siegeszug der sozialen Netzwerke zwingen den Journalismus zu Rückzugsgefechten, die den Kampf gegen Desinformation in der Aufmerksamkeitsökonomie zusehends aussichtslos werden lassen.


Seit 2002 ist Stephan Russ-Mohl Professor für Journalistik und Medienmanagement an der Università della Svizzera Italiana in Lugano und leitet dort das European Journalism Observatory. Zuvor war er 16 Jahre lang Professor für Publizistik an der FU Berlin. Seine Forschung brachte ihn zu Aufenthalten an international renomierte Universitäten wie die Stanford University. Von 2011 bis 2012 war er Gutenberg Fellow am Forschungsschwerpunkt Medienkonvergenz der Universität Mainz. Als Journalist publiziert Stephan Russ-Mohl, Abslovent der Deutschen Journalistenschule in München, regelmäßig Beträge für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), für verschiedene schweizerische Medien, sowie auch für deutsche Medien.

 

Die Zusammenfassung des Vortrags finden Sie hier.

 

Das Video zum Nachschauen finden Sie hier:  https://www.youtube.com/watch?v=9qKaAE5Bjk8



20. Juni: Stefan Niggemeier

Lügenvorlesung

 

Der Medienjournalist Stefan Niggemeier war bis 1993 als fester freier Mitarbeiter der Neuen Osnabrücker Zeitung tätig und publizierte in verschiedenen Medien wie der FAZ, das SZ-Magazin, seinen Blog stefan-niggemeier.de und ist Gründer des BILDblog, der die Arbeit der Bild aus dem Axel Springer Verlag und anderer Magazine und Zeitungen mit kritischen Kommentaren beurteilt. Sein aktuelles Projekt ist die Plattform „übermedien.de“, die er mit Boris Rosenkranz gegründet hat und ein weiteres Onlineportal für Medienkritik darstellt.

 

Die gesamte Vorlesung finden Sie online auf dem YouTube-Kanal von ALEX BERLIN: https://www.youtube.com/watch?v=VH4pHhKlk3k&feature=youtu.be

 

Die Zusammenfassung des Vortrags finden Sie hier.


Letzte Aktualisierung 09.04.2016 von pkoch_admin
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