Zeitenwende. Medien und Politik zwischen Mauerfall und Einheit 1989/90

Ringvorlesung 2014: "Zeitenwende. Medien und Politik zwischen Mauerfall und Einheit 1989/90"

Die Ereignisse, die im Herbst 1989 in der DDR zum Ende der SED-Herrschaft und dem Fall der Berliner Mauer geführt haben, sind als eine „Medienrevolution“ bezeichnet worden. Tatsächlich hatte insbesondere das Fernsehen entscheidenden Anteil am Mauerfall in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989. In den Wochen danach veränderten sich die DDR-Medien tiefgreifend und leisteten einen wichtigen Beitrag zur Transformation der Gesellschaft im Prozess der deutschen Einheit.
Im Rahmen seiner öffentlichen Ringvorlesung Politik und Kommunikation möchte der OSI-Club (www.osi-club.de) Medien und Journalisten aus Ost und West und ihren Einfluss auf Politik und Gesellschaft in den Jahren 1989/90 betrachten. In Erweiterung der Perspektive werden auch die Konfrontation im Kaltem Krieg sowie die bis in die Gegenwart reichenden Auswirkungen der (medien-) politischen Zäsur 1989/90 einbezogen. Dabei sollen Akteure und Augenzeugen genauso zu Wort kommen wie Wissenschaftler, die sich mit dem Umbruch in der DDR und dem Verhältnis von Medien und Politik in dieser Zeit beschäftigen.

 



Dokumentation zur Ringvorlesung "Zeitenwende":

Eine spannende Ringvorlesung mit vielen interessanten Gästen liegt hinter uns. Ob nun z.B. Wolfgang Rüddenklau, Roland Jahn, Robin Lautenbach, Dr. Jürgen Kuttner sowie Dr. Christoph Links - um nur einige zu nennen - jeder Gast bot Anekdoten und Innenansichten, die einen restrospektiven Perspektivwechsel ermöglichten. So bot die Ringvorlesung einen Beitrag zum Kapitel der Wende-Zeit und Wiedervereinigung im deutsch-deutschen Geschichtsbuch.

An dieser Stelle können Sie die Dokumentation zur Ringvorlesung als PDF abrufen.

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Folgende Vorträge haben statt gefunden:



28. April: Dr. Christoph Classen

Der Kalte Krieg zwischen Ost und West prägte über viele Jahre das Leben im geteilten Deutschland. Einer der Orte des Systemkonflikts waren die elektronischen Medien, die leicht Grenzen überschreiten konnten. So versuchten beide Seiten, zunächst mit dem Hörfunk, später auch mit Hilfe des Fernsehens die Gegenseite zu beeinflussen. Dr. Christoph Classen, Wissenschaftler am Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam, ist Experte für das Verhältnis von Medien und Politik zwischen 1948 und 1989 und eröffnet die Ringvorlesung am 28.4. mit einem Überblick zu der Frage, wann und wie der Kalte Krieg im Äther ausgetragen wurde.



05. Mai: Wolfgang Rüddenklau

W. Rüddenklau

Wolfgang Rüddenklau hätte schon 1975 in den Westen gehen können, wenn er nicht den schon bewilligten Ausreiseantrag wieder zurückgezogen hätte. Stattdessen blieb er, war stets im Visier der Stasi und lernte den DDRKnast von innen kennen. Rüddenklau engagierte sich seit 1983 vor allem bei einem Friedens- und Umweltkreis innerhalb der Kirche. Als 1986 die Idee einer Umweltbibliothek in der Zionskirche verwirklicht werden konnte, war er von der Idee bis zur Ausführung mit dabei. Die Umweltbibliothek pflegte den Kontakt zu diversen Westmedien. Von den Erfahrungen, Chancen und Gefahren der – aus vielen Gründen nicht immer einfachen – Zusammenarbeit mit den Westmedien handelt sein Vortrag.



12. Mai: Roland Jahn

R. Jahn

Netzwerker, Grenzgänger, Vermittler zwischen verschiedenen Welten – wie kein anderer trug der heutige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Roland Jahn dazu bei, dass eine Verbindung zwischen Westmedien und der DDR- Opposition hergestellt wurde. Ob als freier Mitarbeiter der „taz“, als Mitinitiator von „Radio Glasnost “ oder als Redakteur des SFB-Magazins „Kontraste“ – der Journalist Roland Jahn, der 1983 aus Jena in die Bundesrepublik abgeschoben wurde, stellte für alle Verbindungen her und sorgte für den Informationsaustausch „über Mauern“ hinweg. Vor seiner unfreiwilligen Ausreise war Jahn in der Friedensgemeinschaft Jena aktiv. 



26. Mai: Robin Lautenbach

R. Lautenbach

Als Fernsehreporter war Robin Lautenbach im wahrsten Sinne des Wortes Augenzeuge des Mauerfalls. Seit dem frühen Abend des 9. November 1989 war er für den SFB auf der Westseite der Berliner Mauer unterwegs, um die Ereignisse mit Kamera und Mikro einzufangen. Von einiger Bedeutung war sein Livebericht vom Grenzübergang Invalidenstraße in den „Tagesthemen“ an diesem Abend – noch vor dem eigentlichen Mauerfall. Doch auch die Wochen und Monate danach waren spannend und ereignisreich für den letzten Korrespondenten im ARD-Studio DDR in der Ost-Berliner Schadowstraße. Sein Titel  am 26.5. „Im Osten was Neues. Als Korrespondent zwischen West- und Ostberlin 1989/90.“



19. Mai: Brigitte Zimmermann

B. Zimmermann

Brigitte Zimmermann wurde fast zufällig Journalistin in der DDR. Nach einem Lehrgang 1962 fing sie als Redakteurin bei der Zeitung „Junge Welt“ an, die vom Jugendverband FDJ herausgegeben wurde. Dort stieg sie 1970 zur stellvertretenden Chefredakteurin auf und verließ diesen Posten acht Jahre später eher widerwillig für eine Stelle im Zentralrat der FDJ. 1983 kehrte sie in den Journalismus zurück und wurde Chefredakteurin der auflagenstarken Wochenzeitung „Wochenpost“, wo sie das Ende der DDR erlebte. Wie Journalismus in der DDR funktionierte und was sich mit dem Mauerfall für die ostdeutschen Journalisten änderte, ist ihr Thema am 19.5.



02. Juni: Frank Mangelsdorf

F. Mangelsdorf

Wenn Frank Mangelsdorf, heute Chefredakteur der Märkischen Oderzeitung, über die Blockpresse und das „Ende der Bevormundung“ spricht, so tut er das als jemand, der den Prozess unmittelbar miterlebt hat. Er arbeitete von 1975 bis 1990 als Redakteur bei der Zeitung „Der Morgen“, dem Zentralorgan der LDPD. Die „Liberal-Demokratische Partei Deutschlands“ erkannte die Vorrangstellung der SED an und ordnete sich ihr unter – bis in den Herbst 1989. Bevor Frank Mangelsdorf 2001 zur Märkischen Oderzeitung ging, sammelte er Erfahrungen als Journalist bei diversen Tageszeitungen: der „Welt“, dem „Tagesspiegel“, der „Berliner Morgenpost“ und der „Ostseezeitung“.



16. Juni: Dr. Hans-Hermann Hertle

Dr. H. Hertle

Der Fall der Berliner Mauer ist das Ereignis des Jahres 1989, das weltweit die größte Aufmerksamkeit fand und Teil des kollektiven Gedächtnisses geworden ist. Wie genau es am 9. November zum Mauerfall kam, hat Dr. Hans-Hermann Hertle vom ZZF Potsdam minutiös rekonstruiert und im Buch „Chronik des Mauerfalls“ zusammengefasst, das in mittlerweile zwölf Auflagen erschienen ist. Sein Fazit lautet: mehr noch als die berühmte Pressekonferenz von SED-Politbüromitglied Günter Schabowski waren es die Medien, die zum Fall der Berliner Mauer beigetragen haben. Über die dramatischen Ereignisse in jener Nacht spricht er am 16.6.



23. Juni: Dr. Jürgen Kuttner

Dr. J. Kuttner

Dr. Jürgen Kuttner gilt als Vermittler von (Ton-)Kultur mit Kultstatus. Der in Ost-Berlin geborene Radiomoderator, Autor, Regisseur und Schauspieler promovierte in den 80er Jahren an der Humboldt-Universität über „Massenkultur und Masse“ und war 1989/90 Mitbegründer der Ostausgabe der „taz“. Daneben begann er beim DDR-Jugendsender „DT64“als Radiomacher mit einem offenen Ohr für die Hörer. Bekannt wurde Kuttner später auch mit seiner Sendung „Sprechfunk“ auf Radio Fritz (ORB/rbb). Am 23.6. referiert Kuttner über die Entstehung alternativer Medien und das Gefühl des „Selbermachens“ in der Umbruchzeit.



30. Juni: Konrad Weiß

K. Weiß

Der Regisseur, Publizist, ehemalige Bürgerrechtler und Politiker Konrad Weiß gehörte zu den Mitbegründern der Bürgerrechts- bewegung „Demokratie jetzt“ und nahm als deren Vertreter 1989/90 am Runden Tisch teil. Er wurde 1990 Mitglied der ersten und einzigen frei gewählten Volkskammer. Von 1990 bis 1994 war er Bundestagsabgeordneter der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in Bonn. Konrad Weiß wird am 30.6. unter dem Titel „Aufbruch zur Medienfreiheit. Die Bürgerbewegung in der frei gewählten Volkskammer 1990“ über seine Erfahrungen mit der Medienpolitik in der DDR zwischen März und Oktober 1990 berichten und davon, was die Opposition sich erhofft und vorgestellt hatte.



07. Juli: Hannelore Steer

H. Steer

Ende 1989 wird Hannelore Steer zur Chefredakteurin von Radio Berlin International, dem Auslandssender der DDR, gewählt. Später wird die studierte Afrikanistin die letzte stellvertretende Intendantin von „Funkhaus Berlin“, dem Nachfolger der DDR-Radioanstalt an der Nalepastraße, die 1992 aufgelöst wurde. Damit war sie nicht nur Augen- und Ohrenzeugin in den Jahren des Umbruchs, sie gilt durch ihre langjährige Arbeit als Hörfunkdirektorin des rbb und des früheren ORB als Brückenbauerin in der deutschen Medienlandschaft. Die für ihre Bestrebungen um eine freie Berichterstattung und die Demokratisierung des DDR-Hörfunks mit Bundesverdienstkreuz geehrte Steer spricht am 7.7. über die Rundfunkwende in den Jahren 1989 bis 1992.



14. Juli: Dr. Christoph Links

Dr. C. Links

Der Publizist und Verleger Christoph Links kennt den Journalismus und das Verlagswesen der DDR aus eigenem Erleben. Er arbeitete 1980 bis 1986 als Redakteur der „Berliner Zeitung“ und schrieb nebenbei für den „Sonntag“. Für den „Aufbau-Verlag“ war er anschließend als Lektor tätig. Als einer der ersten unabhängigen Verleger in der DDR gründete Links bereits zum Jahreswechsel 1989/90 den bis heute erfolgreichen Christoph Links Verlag. Mit seinem Vortrag über die Entstehung und Bedeutung unabhängiger Verlage am Ende der DDR im Übergang zur deutschen Einheit beschließt er am 14.7. die Ringvorlesung.


Letzte Aktualisierung 13.10.2015 von pkoch_admin
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