Am Anfang der Veranstaltung stellte Frau Prof. Dr. Schultz die Dozentin Dr. Antonie Nord vor. Frau Nord arbeitet für die Heinrich-Böll-Stiftung, war zunächst Leiterin des Afrika Referats der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin und danach Leiterin der Zweigstelle in Kapstadt. Sie betreute zahlreiche Projekte unter anderem auch das Projekt für politische Transformationsprozesse in Afrika.
Der Vortrag beginnt mit einer Richtigstellung des Titels, welcher laut Frau Nord etwas ambitioniert formuliert wurde, da der Prozess der Frauenbeteiligung in der Politik weiterhin sehr stark in der Entwicklung ist und je nach Land nicht sehr weit fortgeschritten ist. Antonie Nord beginnt mit einem kurzen geschichtlichen Überblick über die feministische Bewegung in Afrika. Sie vergleicht die Beteiligung der Frauen in der Politik vor der Einführung einer Quote und danach. Allerdings wird auch hervorgehoben, dass sich eine relative große Repräsentation von Frauen in politischen Institutionen sich nicht unbedingt in anderen gesellschaftlichen Bereichen wiederspiegelt z.B. ist in Südafrika geschlechtsspezifische Gewalt weit verbreitet. Zudem hebt Antonie Nord hervor, dass eine erhöhte Beteiligung der Frauen in der Politik nicht unbedingt ein Zeichen für Gleichberechtigung ist, da es immer noch davon abhängt, wieviel die Frauen wirklich bewegen können und wollen.
Um die vorherrschenden Situationen zu untersuchen und Ursachen zu finden, wurden verschiedene Projekte ins Leben gerufen. Unter anderem auch das Projekt „Engendering Leadership“, welches auch den innerafrikanischen Austausch fördern soll. Dazu wurden in Südafrika, Kenia und Nigeria Referenzgruppen gebildet, in denen Feministinnen führende Rollen einnehmen. Dieser Schritt ist notwendig damit Lösungen und Kritik in den verschiedenen Ländern von direkt Betroffenen entwickeln werden können. Die Bestandsaufnahme wird anhand eines Schemas untersucht in dem drei politische Prozesse betrachtet werden: Access, Gendersetting und Accountability.
1 Access
Wer hat Zugang zur Macht
Gibt es eine Quote? Wie wirksam ist sie?
Ist die der Zugang zur Macht mit hohen persönliches Kosten verbunden?
2 Gendersetting
Was passiert mit Frauen, nachdem sie politische Ämter erreicht haben?
3 Accountability
Wem gegenüber müssen die Frauen Rechenschaft ablegen?
Können sie ihre Ziele durchsetzen?
Grundsätzlich hat die HBS die Erfahrung gemacht, dass in Ländern, die starke demokratische Defizite haben, durch eine Frauenquote wenige Änderungen erreicht wurden. Deswegen wird den Frauen nahe gelegt, sich nicht komplett auf die Quote zu verlassen.
Im weiteren Verlauf des Vortrages wird ein konkreter Bezug zu Südafrika hergestellt, welches in Afrika eine Sonderrolle einnimmt. Das liegt daran, dass es hier in den 60er Jahren bereits eine sehr starke frauenrechtlerische und feministische Bewegung war, die dazu führte, dass Frauenrechte in der Verfassung festgehalten wurden. Allerdings ist heute der Einfluss von Feministinnen sehr viel geringer, was auch an der hohen Gewaltrate gegen Frauen liegt. Das führt dazu, dass sich viele ehemalige Aktivistinnen von der Politik abgewandt haben. Erschwerend kommt hinzu, dass der Frauenbewegung ein gemeinsames Ziel fehlt, was zu einer zunehmenden Zersplitterung in kleinere Gruppen führt.
Als Abschluss zum Vortrag folgen zwei kurze Porträts von Aktivistinnen, die in den Foren eingesetzt werden. Im Anschluss folgt eine lebhafte Diskussion.