Ballé Moudoumbou

13.12.: Marianne Ballé Moudoumbou: Mut zur Utopie? Was bedeutet Liberation/Befreiung heute. Neue Wege des Panafrikanismus aus Frauenaugen

 
Marianne Ballé Moudoumbou hat im Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie an der Freien Universität Berlin promoviert und ist Sprach- und Kulturwissenschaftlerin. Ihren Vortrag eröffnete sie mit einer Geschichte über das Leiden einer afrikanischen Frau, die ihren einzigen Sohn in den Krieg ziehen lassen und verlieren musste. Mit dem Schicksal dieser Frau und der Tatsache, dass immer wieder Zivilisten in Kriegen sterben müssen, erklärt sie, was speziell Frauen dazu bewegt sich für die Unabhängigkeit eines Landes einzusetzen.
Ende der fünfziger Jahre, mit zunehmendem Zugang zu formeller Bildung, zeigte der afrikanische Unabhängigkeitswille erste Erfolge. Dennoch lässt sich, u.a. auf Grund der internationalen Erfahrungen von Marianne Ballé Moudoumbou, eine allgemeine Desillusionierung nicht ausblenden. Das Ziel „wirklicher“ Unabhängigkeit scheint noch lange nicht erreicht zu sein. Die Sprecherin weist darauf hin, dass Frauen in Kamerun bereits vor der Unabhängigkeit 1961 klare Forderungen formulierten und schon 1952 ihre eigene Organisation (UDEFEC) gründeten. Dennoch wurden bis heute viele Anliegen nur zum Teil oder gar nicht durchgesetzt. Es werden beispielsweise gegenwärtig noch immer keine Medikamente in Kamerun hergestellt. Die Frage worum wir uns heute engagieren sollten, wenn sich in den letzten fünfzig Jahren wenig änderte, wurde in Form eines Brain-Storming erfasst. Die Ergebnisse schrieb die Referentin auf eine Tafel, um das Wort „Utopie“ herum, und griff sie im Laufe des Vortrags immer wieder auf.
Es gibt unterschiedliche Ansätze und Meinungen darüber wo und wann die Anfänge des Panafrikanismus als politische Bewegung zu verorten sind. Ballé Moudoumbou sieht die Ausgangspunkte in der Zeit, in der die ersten Menschen aus Europa nach Afrika kamen und ein Afrika ohne Afrikaner forderten. Sie plädiert für das panafrikanische Ideal mit der Vision einer „wirklichen“ Unabhängigkeit und beschreibt die Visionen der Befreiungsbewegungen als ein Teil der Dekolonisationsgeschichte Afrikas bei der die panafrikanischen Kongresse auf internationale Ebene (1918, 1945, 1974, 1994) entscheidend mitgewirkt haben.
Das Problem der Umsetzung einer Vision sieht Marianne Ballé Moudoumbou im Bestehen von Mythen die immer etwas Negatives mit sich bringen. So lautet ihr Appell: „Utopie kann man nur erreichen, wenn der Mythos weg ist.“ Eine besondere Bedeutung haben dabei die afrikanischen Frauen, die eine größere Rolle bei den Friedensverhandlungen bekommen müssten, damit Mythen, wie zum Beispiel die negative Art und Weise wie Frauen in Afrika sich selber betrachten und betrachtet werden, verschwinden. Negative Konnotationen entstehen u.a. aus der Gegebenheit das vieles von Außen geprägt wird und westlich orientierte Konzepte übernommen werden. An dieser Stelle  verweist Ballé Moudoumbou auf die Afrikanischen Union und stellt sich die Frage „Wie wäre es möglich, dass die Afrikanische Union, sich aus Sicht der Frauen, mehr für die Frauenbewegung einsetzt?“
Ballé Moudoumbou kritisiert den zu geringen Austausch der afrikanischen Frauen untereinander und deutet darauf hin, das es nicht reicht auf institutioneller Ebene zu arbeiten. Vielmehr müssten sich die jungen Frauen mit sich selber, ihren Traditionen und mit Schriften und Konzepten auseinandersetzen, denn um das panafrikanische Ideal umsetzen zu können ist eine Erforschung des Ursprungs notwendig. Unausweichlich müssen Konzepte entwickelt werden, die durch den erlebten Alltag der Frauen geprägt werden.

Sabine Bullerjahn


Letzte Aktualisierung 22.02.2012 von afrikaprakti
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