Widad Abdelrahman betrachtet in ihrem Beitrag hauptsächlich zwei Dimensionen, die die Partizipation der Frauen am sudanesischen Arbeitsmarkt stark beeinflussen: den Bildungsgrad und die gesetzliche Lage. Sie betont aber auch, dass dabei sowohl wirtschaftliche, als auch soziale und kulturelle Faktoren von großer Bedeutung sind und dass das ökonomische Empowerment der Frauen in Sudan durch die Verfolgung des Goals 3 der Millennium Development Goals unterstützt wird.
Obwohl Widad Abdelrahman auch statistische Daten vergleicht, die aus dem Zensus von 2008 stammen, hebt sie hervor, dass es von größerer Bedeutung ist, hinter die Daten zu blicken. Dadurch soll z. B. verstanden werden, welche Frauen auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert werden und in welchen Bereichen Frauen erwerbstätig sind. Widad Abdelrahman betrachtet Bildung als eine wichtige Komponente des Humankapitals, die die Beschäftigungsrate stark beeinflusst. Sie berichtet über eine große Bildungslücke zwischen Männer und Frauen und zwischen dem ruralen und urbanen Sektor in Sudan, besonders unter den Nomaden, die einen großer Teil der Bevölkerung darstellen.
Während sie einerseits betont, dass die sudanesischen Gesetze formale Gleichstellung einfordern, stellt sie andererseits die problematischen Stellen des sudanesischen Arbeitsgesetzes von 1997 fest. Sie hebt hervor, dass obwohl die Artikel dieses Gesetzes als frauenfreundlich bzw. frauenfördernd gelten, viele Mängel präsent sind, die ökonomische Ungleichheit zwischen Männer und Frauen verursachen. Beispielsweise die juristische Sprache, die nur über ein „HE“ spricht, die Ausnahmen im Gesetz, die meist Frauen aus unteren Klassen betreffen wie z.B. Hausangestellte und die Tatsache, dass geschlechtsspezifische Gewalt am Arbeitsplatz in den Gesetzen nicht thematisiert wird. Widad Abdelrahmans Zwischenfazit konstatiert so auch, dass das Gesetz eigentlich nicht als geschlechtsneutral, sondern eher als geschlechtsblind betrachtet werden muss. Darüber hinaus betont sie, dass sich die positive Diskriminierung von Frauen (z.B. Mutterschutz) häufig negativ auf die Chancen der Frauen auf dem Arbeitsmarkt auswirkt.
Der Arbeitsmarkt, auf dem nur 17% der Frauen als erwerbstätig gelten, ist nur der formale Arbeitssektor. Die Mehrzahl der Frauen (und Männer) im Sudan sind selbstständig und im informellen Sektor tätig. Innerhalb des formellen Sektors sind Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert, zum Beispiel finden sich nur wenige Frauen unter den Managern. Die Mehrheit der Frauen arbeitet in der Landwirtschaft und im Dienstleistungssektor. Widad Abdelrahman betont auch, dass die Gesetze, die formale Gleichstellung einfordern, im informellen Sektor nicht greifen und so für die überwiegende Mehrzahl der erwerbstätigen Frauen keine Bedeutung haben.
Am Ende des Vortrages geht Widad Abdelrahmen auch auf positive Aspekte ein, die im Sudan zu bemerken sind. Beispielsweise ändert sich die Einstellung gegenüber der Bildung jüngerer Frauen zunehmend und eine größere Akzepetanz gegenüber der Mobilität und Erwerbsarbeit von Frauen ist spürbar. Widad Abdelrahman plädiert für eine Ermächtigung der sudanesischen Frau, damit sie fähig wird, für ihre eigenen Rechte zu kämpfen. Problematiken wie die Abbruchquote in der Bildung, oder wie man den informellen Sektor reformieren könnte, sollen als ausschlaggebend für eine faktische Ermächtigung der Frau verstanden werden.