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Zusammenfassung Schrader Guesnet

Zusammenfassung Guesnet und Schrader

Lena Guesnet
Der BICC Vortrag informierte über die enormen Vorkommen an Bodenschätzen in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) und über die abgründigen Dimensionen der Armut in diesem Land.

Im rohstoffreichen Ost-Kongo besteht seit 15 Jahren eine Kriegswirtschaft in einem praktisch staatsfreien Raum. Die Konflikt-Parteien haben gewaltige Bereicherungsmöglichkeiten (illegaler Abbau und Export von Bodenschätzen, Verkauf von Lizenzen an Schürfer, Zwangsarbeit, Erpressung von Schutzgeldern, Abgaben und Steuererhebungen von Schürfern und Händlern) und kein Interesse an der Wiederherstellung staatlicher Kontrolle über dieses Gebiet. Der Krieg geht seit 15 Jahren weiter, obwohl es klar ist, dass keine Partei den gewinnen kann. Die internationale Gemeinschaft erwies sich bislang als machtlos gegenüber den Kräften, die den Krieg führen und daran gewinnen. Im Ost-Kongo wird die Produktion der größten Zinn-Mine der Welt zu 90 % illegal exportiert. Profite werden zum Teil von (laut BICC) der nationalen kongolesischen Armee, FARDC, eingesteckt (allerdings handelt es sich dabei um eine Brigade, die sich aus ruandischen Milizen und Befehlshabern zusammensetzt und die der Kongo in die nationale Armee unter Druck der internationalen Gemeinschaft integrieren musste, Anm. der Red.). Zwischen 500 000 und 1 Million Schürfer besorgen 90 % der Bergbau-Produktion im Ost-Kongo. Der registrierte Mineralien-Handel betrug in 2006 $500 Millionen (es wird geschätzt, dass die Einnahmen aus dem illegalen Handel das Zehnfache an dieser Summe betragen). Theoretisch sollte der Staat dafür Steuer in Höhe von $50 Millionen einnehmen. In 2006 waren es aber nur $12 Millionen.

Das Konzept der internationalen Gemeinschaft für die Überwindung dieser Lage beinhaltet folgende Schritte: Rechtssicherheit herstellen, Gesetze achten, Ökologische, soziale und menschenrechtliche Standards einhalten, soziale Leistungen erbringen, kein Einkauf bei Gewaltakteuren.


Der Vortrag des Afrika-Vereins informierte über den Landwirtschaftssektor (30 % des BIP, 66 % der Bevölkerung und 3 % der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche der DR Kongo) und den Industriesektor (13 % des BIP, Verarbeitung von Bergbau-Produkten, Zement, Schwefelsäure, Reifen, Schuhe, Textilien, Nahrungsmittel, Bier und Zigaretten), der durch den wirtschaftlichen Niedergang, die rasende Inflation seit 1990 und den Rohstoff- und Ersatzteile-Import behindernden Devisenmangel schwer geschädigt worden ist. In 2007 stieg die „industrielle Wertschöpfung“ um 5 % gegenüber dem Vorjahr, was auf den durch das internationale Engagement verursachte Boom im Baugewerbe bedingt ist.

Ein weiterer florierender Sektor ist die Telekommunikationssparte (mit sieben Mobilfunkanbietern ist die DR Kongo einer der meist umkämpften Märkte der Welt). Im „Doing Business in 2009“ der Weltbank schneidet die DR Kongo immer noch als das ungeeignetste Land der Welt ab, um Direktinvestitionen zu tätigen. BIP und Importe zeigen aufsteigende, während Exporte starke negative Tendenzen in den Jahren 2008 – 2010. Die Vorteile der DR Kongo (großer Markt, große Bevölkerungszahl, große Rohstoffvorkommen und Wasser-Ressourcen) werden durch die Nachteile neutralisiert (marode Infrastruktur, fehlende Industriebasis, Energieknappheit, bürokratische Hemmnisse, Korruption, mangelnde Fachkräfte, politische Instabilität).
Die Chancen (hoher Investitionsbedarf in der Infrastruktur, Nähe zu großen Märkten, Zunahme von Geber finanzierten Projekten) werden durch die Risiken eingeschränkt (Preisverfall, Krieg, Inflation, Devisenmangel, Rechtsunsicherheit, willkürliches Steuersystem). Massive Infrastrukturinvestitionen sind notwendig, um die De-Industrialisierung der DR Kongo aufzuhalten. Alternativer Auf- und Ausbau der Leichtindustrie und Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte sollten angestrebt werden anstatt zentralisierter Industrialisierung mit Großprojekten.

Letzte Aktualisierung 26.02.2010 von rfsp
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