Startseite / Afrika / Ringvorlesungen / Wintersemester 2009/2010 / Zusammenfassung Meissner Klitzsch

Zusammenfassung Meissner Klitzsch

Zusammenfassung Meissner und Klitzsch

Klitzsch
Sudan bildet mit 2,5 Millionen km² das zweitgrößte Land Afrikas (8,3 % des Kontinents). Der Vortrag informierte über die Geschichte Sudans aus geowissenschaftlichem Blickwinkel (Ausbreitung der Wüste von Norden nach Süden um 800 km in den letzten 3000 Jahren). Es folgte eine gründliche Analyse der Rohstoffvorkommen im Sudan.

Erdöl stellt den wichtigsten Rohstoff dar; mit 25 Millionen Tonnen pro Jahr gehört Sudan jedoch nicht zu den großen Erdöl-Produzenten/-Exporteure. Seit 1996 verbindet eine 1 800 km lange Erdölleitung die zentralgelegene Region, die für die Erdölproduktion erschlossen worden ist, mit dem Roten Meer. Die nordöstliche und die südwestliche Region mit relativ großen Erdölvorkommen sind noch nicht erschlossen worden. Die Erschließung wird durch den Bürgerkrieg behindert. Zwar handelt es sich dabei um ein noch zu aktualisierendes Potenzial; aus geowissenschaftlicher Sicht lässt sich aber kein Zukunftsszenario für Sudan im Sinne einer Entwicklung in Richtung einer „Wirtschaftsmacht“ aufgrund seiner Erdölvorkommen. Zwischen 1998 und 2003 nahm der Anteil der Staatseinnahmen an den Gesamteinnahmen gegenüber den Einnahmen der Erdölfirmen stark zu; ab 2004 nahmen jedoch die Gesamteinnahmen sowie auch der Anteil der Staatseinnahmen an diesen stark ab. Der Abwärtstrend wird sich nach aktuellen Berechnungen bis 2022 fortsetzen.

Mit den anderen Rohstoffen (Gold, Chromit, Eisenerz, Bauxit, Zement-Rohstoffe, Keramik-Rohstoffe, Granit, Marmor), die durchweg in relativ kleinen Mengen abgebaut werden (Gold: 5 Tonnen im Jahr), meistens in Erz-Form exportiert werden oder deren Vorkommen noch nicht genau bestimmt worden sind, lässt sich aus Sicht der Referenten auch keine Wirtschaftsmacht im Sudan aufbauen.

Auch mit der Ressource Wasser habe der Sudan Probleme (Grundwasserabsenkung, Bau von Staudämmen, Planung des Jonglei-Kanals, der zur Verödung einer gegenwärtig durch nichtkanalisiertes Wasser gespeiste grüne Region von der Größe eines Zehntels des Landes und zur Reduktion des Regenfalls in dieser Gegend führen wird). Die fortschreitende Desertifikation der westlichen Regionen vom Sudan stellt eine wichtige Determinante des Darfur-Konfliktes dar. Es gibt keine Planung für ein rationales Management der Ressource Wasser im Hinblick auf die gleichmäßige und nachhaltige Deckung des Bedarfs an dieser Ressource in allen Teilen des Landes, geschweige denn die Nutzung dieser Ressource, um aus dem Sudan eine wasserexportierende „Wirtschaftsmacht“ zu machen.


Prof. Bernd Meissner
80 % der Bevölkerung im Sudan sind in der Landwirtschaft tätig mit einem Beitrag von 43 % zum Bruttonationalprodukt (BNP). Das Bewässerungssystem ist im Norden und Osten des Landes stark entwickelt und die Landwirtschaft ist in diesen Regionen teilweise mechanisiert; der größere Teil der landwirtschaftlichen Produktion erfolgt jedoch landesweit aufgrund traditioneller Methoden von Ackerbau und Tierhaltung. Die Waldbestände im äußersten Südwesten des Landes bilden keine Grundlage für die Erwirtschaftung eines nennenswerten Einkommens aus der Forstwirtschaft. Eher wird mit dem Holz der lokale Bedarf an Holzkohle gedeckt. Industrie und Gewerbe stellen vor allem Waren für den lokalen Bedarf her. Ihr Beitrag zum BNP liegt bei 6 bis 8 %. Hirse, Mais, Weizen, Bohnen, Maniok, und auch Zuckerrohr werden für den lokalen Bedarf angebaut. Bei den Agrarexporten hat die Bedeutung der Baumwolle Anfang der achtziger Jahre vorübergehend abgenommen, weil man versuchte, Getreide für den arabischen Markt zu produzieren.

Die Produktion nachwachsender Rohstoffe wie Sudangras (für die Erzeugung von Bio-Treibstoff) hat noch keine wirtschaftliche Bedeutung erworben. Ein besorgniserregender Trend in der Landwirtschaft ist das „land grabbing“ durch arabische Golf-Staaten und China, die große landwirtschaftlich nutzbare Flächen vom Staat kaufen oder für unabsehbar lange Perioden pachten, um Nahrungsmittel für die eigene Versorgung zu produzieren. Im Süd-Sudan sind Tierbestände vorhanden, die den Aufbau von Nationalparks bzw. des Tourismus-Sektors erlauben, was jedoch durch den Krieg verhindert wird.

Sudan verfügt zwar nicht über Ressourcen und Potenziale, deren Mobilisierung Sudan zum Rang einer „Wirtschaftsmacht“ verhelfen würde; es verfügt aber über Ressourcen und Potenziale, die nicht im genügenden Maß genutzt werden. Die Nutzung wird durch die politischen Herrschaftsverhältnisse, innenpolitische und bewaffnete inter-ethnische Konflikte sowie durch die gespannten Beziehungen zu westlichen Industrieländern und die nur von China, den arabischen und afrikanischen Staaten durchbrochene Isolation des Sudans auf internationaler Ebene.

Letzte Aktualisierung 26.02.2010 von rfsp
©  OSI-Club e.V.  ~  wegewerk> wwEdit CMS 3.1.9