Zusammenfassung Kalhöfer
‚German Trade and Invest‘ (GTAI), früher ‚Bundesstelle für Außenhandelsinformation‘ ist eine staatliche Behörde zur Förderung von deutschem Handel und deutschen Investitionen weltweit. Ihr Auftrag besteht in der Unterstützung exportorientierter Unternehmen mit umfassenden Informationen über Exportmärkte und in der Identifizierung von Investitionsräumen und –bedingungen im Ausland für deutsche Unternehmen sowie in der Beratung dieser im Rahmen ihrer geplanten Ansiedlungsvorhaben. GTAI vermarktet auch Deutschland im Ausland als Wirtschafts- und Technologie-Standort. GTAI arbeitet eng zusammen mit Außenhandelskammern, Industrie- und Handelskammern, Verbänden und Wirtschaftsförderungsgesellschaften. 90 % aller Publikationen von GTAI sind kostenlos erhältlich (nicht aber „Wirtschaftstrends kompakt“ und „Wirtschaftsdaten kompakt“).
GTAI erklärt, dass deutsche Unternehmen, ausgehend von einem im Weltvergleich sehr geringen Engagement in Afrika, zunehmend an Handel mit und Investitionen in diesem Kontinent interessiert seien. Es handelt sich dabei allerdings um folgende Eckdaten: Die deutschen Investitionen in Afrika (incl. Nordafrika) betrugen in 2007 5,6 Mrd. Euro (612 Unternehmen mit 146.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 25 Mrd. Euro, wobei Südafrika einen Anteil von rd. 16,6 Mrd. Euro am Umsatz und von rd. 70.000 Beschäftigten an der Gesamtzahl der Beschäftigten hat) von insgesamt weltweit investierten 152,5 Mrd. Euro (deutsche Investitionen in Afrika bilden also 0,7 % der deutschen Investitionen weltweit). Nur wenige Länder in Afrika bieten deutschen Unternehmen günstige Investitionsbedingungen oder Möglichkeiten für den Aufbau von Handelsbeziehungen. Deshalb konzentrieren sich deutsche Investitionen in Afrika auf 6 Länder (76 % der deutschen Investitionen, wobei Südafrika und Nigeria daran einen Anteil in Höhe von 60 %, die restlichen vier Länder, Angola, Botsuana, Kenia und Gambia, einen Anteil von 16 % haben).
Es wird aber gesehen, dass Afrika weltweit die höchsten Wachstumsraten realisiert und dass dort die „Return on Investment“ (ROI) Raten viermal so hoch sind wie in 7 der G 8 Länder. Einige afrikanische Länder weisen im Durschnitt über 5 % BIP-Wachstumsraten auf, die auch nach Ausbruch der internationalen Finanzkrise aufrechterhalten werden können (Südafrika, Nigeria, Angola, Botsuana, Kenia, Gambia). Sowohl im Falle solcher Länder, die zur Kategorie „Länder mit Wettbewerbsfähigkeit“ gehören, als auch in „Ländern mit hohem Wachstum /Nachholbedarf“ (Äthiopien, Ghana, Kamerun, Kongo (Rep.), Mosambik, Tansania, Uganda, Sambia, Namibia) sei eine Steigerung der deutschen Investitionen und der Ausbau von Handelsbeziehungen in Zukunft denkbar. Zukunftssektoren für Investitionen und Handel sind: der Bau- und Energiesektor, Wassermanagement, Bergbau und Bergbautechnik (Maschinen und Ausrüstungen), Kfz-Teile, Medizintechnik sowie Nischen für Klein- und Mittelunternehmen und extern finanzierte „Public-Private-Partnership“-Projekte im Infrastruktur-Sektor.
Investitionen aus Afrika in Deutschland beliefen sich in auf 725 Mio. Euro aus Südafrika und 84 Mio. Euro aus anderen afrikanischen Ländern in 2007, weshalb afrikanische Länder in der Beziehung zu Deutschland gegenwärtig vor Allem starke Investitionspartner suchen, mit denen sie gemeinsam internationale Märkte für afrikanische Produkte erschließen und von denen sie finanzielle Unterstützung bekommen könnten.
Von einer Steigerung der deutschen Investitionen in und dem Ausbau des deutschen Handels mit afrikanischen Ländern hätten diese eine Reihe von Vorteilen: Finanzierungsmodelle und Beteiligungen (PPP), Unterstützung bei Vertrieb und Werbung, Arbeitsplätze, Unterstützung bei Ausbildung und Training, Wartung und Service, Neue Technologien, Know-How-Transfer, Unterstützung der Herausbildung regionaler Märkte (ECOWAS, Ostafrika). In Anbetracht der laufenden Debatte über die Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika („Entwicklungshilfe ist ‚out‘; nur die Privatwirtschaft kann Afrikas Probleme lösen“; „PPP ist der richtige Weg“), der Rolle die private Investitionen hinsichtlich der Lösung von Afrikas wirtschaftlichen Problemen und angesichts des Phänomens, dass funktionierende Unternehmen oft ein Indiz für besseres und nachhaltigeres Wirtschaften darstellen, empfiehlt GTAI eine differenzierte und möglichst ideologiefreie Betrachtungsweise gegenüber Afrika (die Aufdeckung der Ursachen negativer Tendenzen, die Förderung erfolgreicher Prozesse, der Aufbau von Netzwerken und Institutionen, der Einsatz von angepassten Produkten) Sowie die Erarbeitung von Strategien und Instrumentarien (bezüglich Rahmenbedingungen, Gesetze, Einsatz eines geeigneten ‚Technologie-Mixes‘, Aufbau von Verbandstrukturen und Interessenvertretungen, Einbeziehung von Universitäten in Deutschland und Afrika in das Geschehen), mit deren Hilfe gegenseitig nutzbringende Beziehungen zwischen deutschen Unternehmen und dem afrikanischen Kontinent in Zukunft aufgebaut werden sollen.