Zusammenfassung Buchholz
Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover (BGR) sammelt und verarbeitet geowissenschaftliche und geologische Daten über Energie-Rohstoffe und mineralische Rohstoffe, Grundwasser und Boden sowie unterirdische Wirtschafsträume. Im Rohstoff-Sektor besteht ihr Auftrag in der Beobachtung von Rohstoff-Märkten, der Entwicklung von Zukunftsszenarien, der Durchführung von Rohstofflagerstätten-Forschung und in der Durchführung Rohstoff bezogener Projekte in Entwicklungsländern im Rahmen der technischen Zusammenarbeit mit diesen. In 2008/09 führte die BGR rohstoffbezogene Projekte in neun Sub-Sahara afrikanischen Ländern durch.
Im Vortrag wurde der Anstieg der Rohstoff-Preise bis 2007/2008 sowie der Fall dieser Preise in 2009 erklärt und über Rohstoffvorkommen in Afrika informiert: Anteil Afrikas an der Weltproduktion von Diamanten, Platingruppemetalle und Cobalt: über 50 %, Chromite: 45 %, Vanadium und Manganese: um 33 %, Gold: 20 %, Bauxit: 10 %, Erdöl: 7 %, Kupfer: 6 %, Nickel: 5, Kohle: 4 %, Eisen: 3 %; nur in sieben Ländern ist der Anteil des Erdöl- und Minerale-Rohstoffexport am Gesamtexport höher als 50 %; hoher Anteil der Rohstoff-Exporte am BSP nur im südlichen Afria sowie in Niger und Ghana; nur 8 Sub-Sahara afrikanische Länder verfügen über große Erdölvorkommen und nur 6 Länder sind reich an mineralischen Rohstoffen; Ghana und Mauretanien haben mittelfristig erschließbare Potenziale an Erdöl und Mineralien und 15 afrikanische Länder verfügen über noch nicht erschlossene und auch nicht einschätzbare Reserven an Erdöl und mineralische Rohstoffe (nicht nachgewiesen, aber geologisch möglich).
Daraus folgt, dass der Bergbau-Sektor in Afrika zwar große Potenziale aufweist, gegenwärtig jedoch nur in wenigen afrikanischen Ländern eine Einkommensquelle für den Staat bildet. Die Einnahmen bestehen aus der direkten und indirekten Besteuerung ausländischer Bergbau-Unternehmen und stellen somit einen winzigen Bruchteil der Gewinne dar, die diese Unternehmen durch die Produktion und den Export von Rohstoffen realisieren. Da der Staat nicht über die Technologie verfügt, die für die Produktion benötigt wird, muss er dieses Verhältnis akzeptieren oder den Zugang zum Bergbau-Sektor den ausländischen Unternehmen verweigern und die Produktion der Rohstoffe einstellen.
Rohstoffvorkommen allein genügen nicht, um ausländische Investitionen anzuziehen. Länder mit hohem mineralischen Potenzial werden anhand eines Indexes für politische Stabilität entlang einer Skala eingestuft (mehr oder weniger Stabilität, Rechtssicherheit, Korruption), um den Unternehmen zu helfen, Investitionsentscheidungen zu treffen bezüglich der Exploration oder der Produktion von Rohstoffen. Nur 9 afrikanische Länder weisen laut dieses Indexes Bedingungen auf, unter denen Investitionen als sicher gelten.
Es wurde die Frage erörtert, ob Rohstoffe einen Fluch oder einen Segen für afrikanische Länder darstellen. Statistische Erhebungen in 77 Ländern weltweit zeigten, dass Länder mit hoher Abhängigkeit von der Produktion und dem Export von Rohstoffen geringere Wachstumsraten realisieren als Länder mit geringer Abhängigkeit davon. Empirisch nachgewiesen ist auch, dass Rohstoffe für Länder mit guter Regierungsführung einen Segen und für Länder mit schlechter Regierungsführung einen Fluch darstellen können. Die Höhe der Einnahmen aus dem Bergbausektor hängt im jeweiligen Fall ab vom verwertbaren Rohstoff-Potenzial, den Weltmarktpreisen, der Weltwirtschaft, den von der Attraktivität des Landes abhängigen Investitionen, dem Länder-Risiko bzw. der Einstufung des Landes anhand des Indexes für politische Stabilität, vom Besteuerungssystem und der Kompetenz der Bergbaubehörde. Anhand des Beispiels Sambias wurde gezeigt, dass ein Land mit Hilfe der Reform der Steuergesetzgebung das Verhältnis von nominalen und effektiven Steuersätzen zum eigenen Gunsten verändern kann. Afrika ist jedoch weit davon entfernt, aufgrund seiner Rohstoffvorkommen eine „Wirtschaftsmacht“ zu werden. Es kann höchstens darüber reflektiert werden, wie weit mit den Einnahmen aus diesem Sektor in einigen Ländern Armut reduziert werden könnte, indem sie für die Schließung der Finanzierungslücke im Zusammenhang mit den Millennium Development Goals verwendet werden. Im Durchschnitt fehlt es afrikanischen Ländern an 50 % der finanziellen Ressourcen, die für die Verwirklichung dieser Ziele benötigt werden. Bevor aber auch diese Einnahmen realisiert werden, müssten Schritte unternommen werden in Richtung auf die Stärkung von Steuer- und Bergbau-Behörden in afrikanischen rohstoffproduzierenden Ländern, auf den Ausbau der Infrastruktur, die Schaffung günstiger Investitionsbedingungen (inklusive Mechanismen zur Sicherung von Good Governance und Transparenz) sowie auf die Einführung von Umwelt- und Sozialstandards in den Bergbau-Sektor.