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Zusammenfassung Brüntrup Kessler

Zusammenfassung Brüntrup und Kessler

Afrika verfügt über große Potenziale an landwirtschaftlich nutzbarem Boden und Wasser, die jedoch nicht genutzt werden. In den letzten 40 Jahren erfolgte die Nutzung von Land im Sinne der Flächenausdehnung und nicht wie in anderen Regionen der Welt im Sinne der Erhöhung der Produktivität der genutzten Fläche. Technologie-, Kapital- und Düngemitteleinsatz waren in der Landwirtschaft im Weltvergleich minimal (5 % der in Asien verwendeten Düngemittel, nur 10 % der bewässerbaren Fläche wird bewässert, sinkender Anteil der Agrarexporte an den Weltagrarexporten, von Netto-Exporteur zu Netto-Importeur von Agrarprodukten, 60 bis 70 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche sind degradiert).

Dies ist auf eine agrarfeindliche Makro-Politik zurückzuführen (Öffentliche Investitionen, Subventionen und Entwicklungshilfe-Ressourcen gehen seit Anfang der neunziger Jahre stets in den Transformationssektor und in urbanisierte Sektoren zu Ungunsten des Landwirtschaftssektors, Import wird zu Ungunsten von Export subventioniert, starke Abhängigkeit der Agrarpolitiken von anderen Sektoren, übermäßige Abschöpfung der Landwirtschaft bzw. „urban bias“ der Wirtschafts- und Sozialpolitik).


Hinzu kommen: hohe Investitions- und Transportkosten, unsichere Institutionen (Boden,
Verträge, moderne und traditionelle Regeln sowie fehlende bzw. mangelhafte Märkte für Dienstleistungen, Inputs und Outputs und häufig falsche Ansätze zu ihrer Verbesserung und die langfristig sinkende Weltmarktpreise, bedingt durch die Agrarpolitik der Industrieländer.

Es bestehen Nachfragepotenziale nach landwirtschaftlichen Produkten aus Afrika auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene. In der Agrargüterpreiskrise wird, trotz ihrem kurzfristigen negativen Effekt auf die Ernährungssituation von 100 Millionen Menschen, mittelfristig eine Chance gesehen für die Erhöhung der Agrarpreise und damit des Einkommens afrikanischer Produzenten. Es kann noch nicht mit Sicherheit gesagt werden, wie sich die Produktion von Bio-Treibstoff (Zuckerrohr, Maniok, Mais) in Afrika entwickeln wird. Es zeichnet sich ab, dass die Investitionen in diesem Sektor ansteigen. Allerdings werden gegenwärtig nur 10 % der erneuerbaren Energien in Entwicklungsländern erzeugt (davon meistens Holz) und nur 0,5 % in Afrika. Um den Weltbedarf an erneuerbaren Energien zu decken, müssten 2/3 der heute weltweit landwirtschaftlich genutzten Fläche (1,5 Mrd. Ha) für die Produktion der dazu benötigten Pflanzen genutzt werden (heute werden 26 Mio. Ha genutzt).

Mit Hilfe der Landwirtschaft wird Afrika insofern in absehbarer Zeit nicht zur „Wirtschaftsmacht“ aufsteigen. 13 afrikanische Länder (führen Ruanda seit 2007, die 12 anderen ab 2009) packen die Probleme des Agrarsektors mit Hilfe des Comprehensive African Agriculture Development Program an. Es wird ein National Compact erstellt, mit dessen Hilfe die systematische Lösung des Agrarsektors angestrebt ist (Ziel: 10 % der öffentlichen Investitionen sollen in diesen Sektor gehen und es sollen dort jährlich 6 % Wachstum realisiert werden). Mit Hilfe moderner Planungs- und Koordinierungsmethoden, der Rationalisierung der Makro-Politik gegenüber dem Agrarsektor und der Erhöhung der Investitionen in diesem Sektor könnte die landwirtschaftlich genutzte Fläche um 60 % erweitert, die neuen Flächen stabilisiert und die Produktion in einigen afrikanischen Ländern verdoppelt bis verdreifacht werden. Damit könnte Afrika gerade die Millennium Development Goals erreichen und die negativen Effekte des Klimawandels auf Afrika abfangen (Rückgang der Produktion um 40 % falls keine Anpassungsmaßnahmen durchgeführt werden und Rückgang von nur 1,5 % falls es gelingen sollte, diese Maßnahmen durchzuführen). Der im Vortrag wurde als Handlungsorientierung in diesem Zusammenhang präsentierte Maßnahmen-Katalog enthält: Verbesserte makroökonomische Rahmenbedingungen, Verbesserung des Marktzugangs, Senkung der Transaktionskosten, Agrarforschung und –beratung, Verbesserung von Markt-, Standort-, Betriebssystem- und Zielgruppenorientiertheit, kosteneffiziente Organisation von Dienstleistungs- und Inputmärkte, Organisation der Bauern, Risiko-Mangement (Inputs, Ernte, Preis, Markt), Regulieren wo nötig und möglich, Strukturwandel einleiten, Agrarpolitik in Gesamtstrategien (Ernährungssicherung, Armut, Ressourcenschutz, Forst, ländliche Entwicklung, Land-Stadt-Migration, Klima) einbetten, konsistentere (Welt-)Agrar(handels)politik.


Die deutsche finanzielle Zusammenarbeit (FZ) teilt diese Sichtweise (Fakten: Mehrheit der Armen in Afrika lebt in ländlichen Regionen, Landwirtschaft hat eine große volkswirtschaftliche Bedeutung, Agrarproduktion ist überwiegend kleinbäuerlich geprägt; Strukturelle Probleme: Atomistische Angebotsstruktur, Eingeschränkte kaufkräftige Nachfrage, Unzureichende Infrastruktur; Potenziale für Kleinbauern: Landnutzungsrechte, Arbeitskraft, Günstige naturräumliche Voraussetzungen, Investorenbereitschaft bezüglich existierender Wertschöpfungsketten) und arbeitet auch auf die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion in afrikanischen Ländern im Sinne der Erreichung der Millennium Development Goals zu.

Das FZ Programm in Afrika enthält: kleinbäuerliche Bewässerungs- und Erosionsschutzmaßnahmen als breitenwirksame Ansätze zur Steigerung der Erträge in der Landwirtschaft und Anpassung an den Klimawandel, den Bau von ländlichen Wegen, Vermarktungs- und Verarbeitungseinrichtungen als Voraussetzung für besseren Marktzugang, ländliche Finanzdienstleistungen, v.a. Mikrofinanzansätze und Pilotvorhaben zur Anpassung an den Klimawandel. Die im Zusammenhang damit erwartete Wirkungskette erscheint als: erfolgreiche ländliche Entwicklung schafft höhere Einkommen und Ernährungssicherheit, die die Voraussetzungen für nachhaltigen Betrieb von sozialer Infrastruktur bilden (Brunnen, Schulen, Gesundheitsstationen) und die Verletzbarkeit der Zielgruppen reduzieren.

Dem FZ-Programm im Agrarsektor in Afrika liegen folgende Anliegen zugrunde: ländliche Entwicklungsmaßnahmen an der Nachfrage orientieren (vs. Angebots- oder Produktionsorientierung), Marktzugang für Kleinbauern schaffen (Infrastruktur, Vertragsanbau, WSK-Förderung), dabei besonders die Rolle des Privatsektors erkennen und nutzen, Fokus auf Einkommenssteigerung (vs. Subsistenz),Zusammenhang zwischen Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und Maßnahmen der ländlichen Entwicklung deutlich herausstellen.

Es wurden Erfolgsgeschichten aus Mali und Ghana sowie ein „win-win“-Modell für Vertragsanbau präsentiert, auf dessen Grundlage Kleinbauern als Zulieferer großer Agrarunternehmen einen sicheren Absatz, feste Preise und einen Zugang zum Exportmarkt sowie eine angemessene Versorgung mit Betriebsmitteln, Krediten, Transportkapazität und neuen Technologien haben, und bei dem aber auch die Agrarunternehmen und der Staat Gewinner wären. Der Vorteil der Ersten liegt in der Kostengünstigen Ausweitung von Produktions- und Exportmengen (kein Landkauf, keine Einstellung von Arbeitskräften), der sicheren, planbaren Rohstofflieferungen und im Imagegewinn; der Vorteil des Staates besteht in der Verbesserung der Zahlungsbilanz, der Zunahme der Beschäftigung und des Einkommens.

Es wird empfohlen, die Förderung des Agrarsektors auf der Basis folgender Handlungsorientierungen zu gestalten: Anschubfinanzierung von On-Farm Investments, Ausgleich von infrastrukturellen Mängeln,Einfluss auf faire Vertragsgestaltung (Sozial- und Umweltstandards), Unterstützung bäuerlicher Organisationen („empowerment“), Beitrag zum Qualitätsmanagement (Zertifizierung, „Tracibility“,…), Verbesserung der Rahmenbedingungen („enabling environment“).

Letzte Aktualisierung 26.02.2010 von rfsp
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