Zu Beginn der Vorlesung trug Stefanie Hirsbrunner einige Überlegungen von Studierenden in Bezug auf den Verlauf der ersten vier Sitzungen vor. Es wurde deutlich, dass insbesondere die Vielschichtigkeit der Entwicklungsproblematik vermittelt werden konnte.
Der Präsident der Gesellschaft für afrikanische Philosophie, Roger Künkel, betonte in seinem Vortrag zunächst die allgemeine Wichtigkeit von philosophischen Betrachtungen für die Verbesserung von Entwicklungszusammenarbeit. Er erklärte, dass nur die Philosophie, aus ihrer neutralen Position heraus, die ethische Brisanz der weltweiten Ungerechtigkeit glaubhaft erörtern könne.
Weiterhin stellte er die prominentesten Konzepte und Persönlichkeiten der Philosophie aus Afrika dar. Besonders wurde hier das Abhängigkeitsverhältnis von Afrika zu den so genannten Geberländern herrausgestellt. Zwei Hauptstränge wurden erkennbar: erstens, vertreten zum Beispiel durch Odera Oruka, die Ansicht, dass die Schuld für das Abhängigkeitsverhältnis fast ausschließlich bei den Industrienationen zu suchen sei und im Gegensatz dazu zweitens insbesondere die Auffassung von Axelle Kabou, die genau in dieser Schuldzuweisung die Verfestigung des Abhänigkeitsverhältnisses sieht und somit die Afrikaner auffordert, selbst Verantwortung zu übernehmen.
In der anschliessenden, lebhaften Diskussion, wurden einige kritische Stimmen laut, die Künkels Verständnis von Philosophie in Frage stellten. Wie politisch und praxisnah dürfe Philosophie nun sein, um trotzdem einen genuin philosophischen Standpunkt beibehalten zu können?