Piesche

Peggy Piesche

Peggy Piesche
Geboren 1968 in Arnstadt. Studierte Deutsch und Russisch an der PH in Erfurt/DDR und Smolensk/UdSSR, erwarb ihren Abschluss (M.A.) in Neuerer deutscher Literatur, Antiker Geschichte und Philosophie an der Universität Tübingen und war anschließend DAAD-Lektorin an der Universität Utrecht/NL. Literatur- und Kulturwissenschaftlerin in verschiedenen Projekten, mit Lehraufträgen u.a. an den Universitäten in Leiden/NL, Bochum, Bonn und Berlin. Z.Zt. wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt ›Black European Studies‹ an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit einem Lehrauftrag in Gender Studies an der Humboldt-Universität Berlin. Seit 1990 Mitarbeiterin der NGO Schwarze Frauen in Deutschland ADEFRA e.V..

Peggy Piesche referierte im Rahmen der Ringvorlesung zu dem Thema: "Afrika in den Medien – Einige Anmerkungen zu der Notwendigkeit einer kritischen Weißseinsperspektive".




Die vermeintlich kurz(lebige) deutsche Kolonialzeit schien in der Vergangenhiet Hochkonjungtur in medialer und wissenschaftlicher Aufarbeitung zu haben. Doch setzten sich die meisten ‚Gedenkveranstaltungen‘ nur mit eben jener Zeitspanne der Besetzung afrikanischen Bodens durch deutsche Truppen und Siedler auseinander. Die Kontextualisierung dieser historisch relativ kleinen Periode und die Einbettung einer deutschen Kolonialperspektive über die direkte Kolonialzeit hinaus, finde jedoch leider kaum Eingang in die Betrachtungen, so Piesche. Dabei scheine genau diese Perspektive im Alltagsleben stets präsent. ‚Afrika-Bilder‘ und zumeist stereotype Images von Schwarzen Menschen trügen koloniale Repräsentationsmuster und fänden sich in Schulbüchern ebenso wieder, wie in der täglichen Werbung und Medienunterhaltung. Peggy Piesche gab in ihrem Vortrag hierzu folgedes Beispiel:
"Eine junge Schwarze Frau lächelte von einem überdimensionalen Plakat herunter. Einladend und frech schaute sie in die Kamera. Sie war nackt bis auf ein Transistorradio, das sie sich vor ihren Schambereich hielt. Daneben stand in großen Buchstaben: „Radio Hamburg – Mehr brauchen Sie nicht anhaben.“ Mit diesem Plakat warb der Sender vor ein paar Jahren für mehr Zuhörer. Ein garantierter Hingucker! Mit ihren leicht geschürzten Lippen hauchte sie fast hörbar ihr „Yeah“ und man(n) glaubte ihr durchaus, dass sie „nichts anderes anhaben muss“. Die Beziehung ist hergestellt: wer mir so etwas anzubietet, hat mir mehr zu bieten…"

Nicht nur die deutsche Werbeindustrie setze besonders in den letzten Jahren verstärkt auf „mehr Farbe“. Am Anfang standen Bananen und Zahnweiß, später folgten Feuchtigkeitsmilch und Schokolade, dann Alkohol und Kosmetik. Inzwischen bekäme auch das langweiligste Produkt den Stempel der ‘Exotik’ aufgedrückt. Schwarze Körper würden gern hüllenlos und in eindeutigen Posen präsentiert. Nackt und wild – das passe ins Bild. Das Klischee vom ‘Wilden’, ‘Primitiven’ und ‘Exotischen’ „am Schwarzen“ erzeugt jenes Lustobjekt und verführt zum Kauf, erläuterte Piesch in ihrem Vortrag.

Diese Repräsentationsstrategien und die Funktionalisierung von vornehmlich Schwarzen Images in deutschen Medien hätten Geschichte und würden in leicht verdaulicher Kost in täglicher Unterhaltung weitertradiert. Der Vortrag ging auf jene Geschichtlichkeit von ‚Afrika-Bildern‘ und Schwarzen Images ein und nahm eine Kontextualisierung vor, indem vor allem die Fragen nach der Perspektive diskutiert wurde: Wer und was wird repräsentiert? Dabei wurden Kolonialtradierungen historisch eingebettet und ganz alltägliche (TV-) Unterhaltungfilme und sognenannte Autoren- bzw. Kunstfilme ebenso vorgegestellt, wie die Repräsentation in (Kinder)Büchern.

Letzte Aktualisierung 19.07.2007 von rfsp

Das Programm im Überblick


©  OSI-Club e.V.  ~  wegewerk> wwEdit CMS 3.1.9