Kortmann

Karin Kortmann

Geboren 1959 in Daun. Diplom-Sozialpädagogin, Studium in Mainz. Seit 1982 Mitglied der SPD. Von 1985 bis 1988 Leiterin der Fachstelle für Arbeiterjugendliche in Limburg, danach Diozösenvorsitzende und schließlich Bundesvorsitzende des BDKJ (Bund der deutschen katholischen Jugend).
Seit 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages und ab 2001 Sprecherin für Politische Grundfragen.
Seit November 2005 Parlamentarische Staatssekretärin im BMZ.

Karin Kortmann referierte im Rahmen der Ringvorlesung zu dem Thema "Herausforderung Afrika".




Karin Kortmann begann ihren Vortrag mit der Forderung, Afrika in der Öffentlichkeit nicht länger als einen weit entfernten Ort von Exotik und Krisensituationen zu sehen, sondern als Nachbarn Europas. Einen wesentlichen Beitrag müssten dabei die Medien leisten, die ein überwiegend negatives Bild von Afrika zeichneten, positive Nachrichten jedoch fast gänzlich ignorierten. Dabei gäbe es durchaus Erfolge zu verzeichnen, wie die Gründung der Afrikanischen Union (AU) oder die NEPAD-Initiative. Themen wie der Massenexodus aus afrikanischen Ländern und die Flüchtlingsproblematik, welche die Medien über den gesamten Sommer hinweg gefüllt hatten, seien aber auch das Ergebnis einer Perspektivlosigkeit, welche es durch die deutsche Afrikapolitik zu bekämpfen gelte.

In der Folge stellte Karin Kortmann dar, weshalb Afrika immer noch in erster Linie vor allem als der Kontinent betrachtet werde, der am weitesten von den UN-Development Goals entfernt ist und erörterte die deutsche Strategie einer zielgerichteten Entwicklungspolitik, welche sich ihrer Meinung nach von der Budgetförderung anderer europäischer Länder unterscheide. Sie machte deutlich, dass Entwicklungspolitik weiterhin einen zentralen Pfeiler der deutschen Afrika-Politik darstelle, dieser sich jedoch nicht auf das BMZ beschränken dürfe. Eine Koordination der Ministrien müsse nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern im gesamten europäischen Rahmen stattfinden. Kortmann betonte, dass die Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten auf gleicher Augenhöhe, zwischen gleichberechtigten Partnern und mit hohem Maß an Eigenverantwortlichkeit der afrikanischen Regierungen erfolge.
Eine Zusammenarbeit mit Staaten, in denen jedoch „bad governance“ betrieben werde, lehnte sie, wie im Fall Simbabwes, kategorisch ab und machte deutlich, dass auch von den Entschuldungsmaßnahmen durch die G8-Staaten nur Länder profitieren könnten, in denen spezifische „good governance“-Reformen nachweisbar seien. Es sei die wirtschaftliche Aufgabe Europas, sämtliche Schutzzölle und Subventionen - z.B. im Agrarbereich - abzubauen, da Afrika durch diese der Zugang zu europäischen Absatzmärkten genommen werde.
Afrika dürfe nicht weiter als isolierter Kontinent betrachtet werden, da Akteure wie China eine immer wichtigere Rolle in der internationalen Afrikapolitik spielten und entsprechend integrativ behandelt werden müssten.

In der abschließenden Diskussion wurden u.a. die Integration indigener politischer Systeme in die Prinzipien des „good governance“, das Ausmaß und der Erfolg deutscher Entwicklungspolitik sowie Möglichkeiten der Sicherstellung von Verteilungsgerechtigkeit hinterfragt. Zudem wurde die bislang nicht erfolgte Wiedergutmachung Europas an Afrika stark kritisiert.



Letzte Aktualisierung 19.07.2007 von rfsp

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