Hornhues

Prof. Dr. Karl-Heinz Hornhues

Prof. Dr. Karl-Heinz Hornhues
Geboren 1939 in Stadtlohn (Westfalen). Studium der Volkswirtschaft, Soziologie und christlichen Sozialwissenschaften an der Universität Münster mit dem Abschluss als Diplomvolkswirt. Ab 1972 Kurator der Katholischen Fachhochschule Norddeutschland in Osnabrück/Vechta, seit 1974 Hochschullehrer für Sozialökonomie und Sozialpolitik. Seit 1977 ist er Professor dieser Hochschule (z.Z. beurlaubt).
Seit 1961 Mitglied der CDU und seit 1972 Mitglied des Bundestages. 1983 bis 1989 Vorsitzender der Deutsch-Afrikanischen Parlamentariergruppe, 1985 bis 1989 Vorsitzender des Unterausschusses Auswärtige Kulturpolitik. 1989-1994 tätig als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion, zuständig für die Bereiche Außen-, Verteidigungs-, Deutschlandpolitik und wirtschaftliche Zusammenarbeit, 1994 bis 1998 Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Z.Zt. Vorsitzender der Deutschen Afrika-Stiftung e.V., Berlin.

Prof. Dr. Karl-Heinz Hornhues referierte im Rahmen der Ringvorlesung zu dem Thema "Afrika in der deutschen Außenpolitik".




Hornhues begann seinen Vortrag mit der Feststellung, er sei seit dem ersten Besuch auf dem Kontinent mit dem berüchtigten "Afrika-Visrus" infiziert. Dies erkläre sein langjähriges Engagement. Nichtsdestotrotz bliebe bei allem, was sich in den letzten Jahrzehnten und Jahren in der Welt, in Deutschland und natürlich auch und ganz besonders in Afrika grundlegend verändert habe, die Erkenntnis einer Konstante, nämlich dass Afrika in der deutschen Politik trotz wechselnder Rhetoriken immer eine kleine, marginale Rolle gespielt habe. Daran werde auch eine deutsche EU Ratspräsidentschaft nichts ändern.
Die „harten“ Interessen Deutschlands in Afrika waren, sind und bleiben, so Hornhues, aller Voraussicht nach sehr begrenzt. Das gelte zunächst in historischer Hinsicht. Mit Ausnahme des Sonderfalles Namibia habe Deutschland kaum nennenswerte besondere Bindungen zu Afrika aus kolonialer Zeit – auch zu Togo, Kamerun und den Staaten im ehemaligen Deutsch-Ostafrika hätten sich kaum „besondere Beziehungen“ gebildet.
Schon zur Zeit, als die Afrikapolitik und die Beziehungen zu den jungen afrikanischen Staaten für die deutschlandpolitischen Auseinandersetzung im Kalten Krieg instrumentalisiert waren, habe es kaum ein afrikanisches Land oder eine afrikanische Region gegeben, die strategische Interessen Deutschlands unmittelbar berührt hätten. Nach dem Ende des Kalten Krieges habe sich dies zunächst noch verstärkt und auch heute gelte, trotz der Veränderungen nach dem 11. September 2001 und trotz des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus, in dem Afrika natürlich eine Rolle spiele, dass zumindest die Unmittelbarkeit des deutschen strategischen Interesses in Afrikas schwer erkennbar bliebe.
Das könne man in vielerlei Hinsicht bedauern oder kritisieren und es gehöre zu den Hauptaufgaben und Anliegen von Organisationen wie der Deutschen Afrika Stiftung oder dem Afrika-Verein, für mehr deutsches Engagement, politisch und wirtschaftlich, zu werben, doch müsse man sich von vornherein der Grenzen bewusst sein, nämlich dass Afrika niemals eine entscheidende Rolle in der deutschen Außenpolitik spielen werde. Die Förderung von Demokratie, Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit, good governance und Marktwirtschaft, Konfliktprävention und Friedenssicherung, Bekämpfung von Armut und Aids stünden für die deutsche Wertorientierung und seien Schwerpunkte deutscher Afrikapolitik. Hornhues betonte die allzu oft übersehene Tatsache, dass Afrika jenseits der aus den Nachrichten bekannten Krisenregionen, seit einigen Jahren durchaus eine positive demokratische und wirtschaftliche Entwicklung aufweiste, die für eine Exportnation wie Deutschland durchaus Chancen beinhalte. Es brauche deutlich mehr politisches Engagement in Afrika und eine in sich konsistentere und effektivere deutsche Afrikapolitik. "Auch wenn Afrika nie die Hauptrolle in der deutschen Außenpolitik spielen wird, sollte es doch mehr einnehmen als die bloße dekorative Statistenrolle.", schlußfolgerte Hornhues.




Letzte Aktualisierung 20.07.2007 von rfsp

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