Beginnend mit der Frage, ob es Interkulturalität überhaupt gibt, setzte sich Prof. Diallo mit dem Begriff „Kultur“ auseinander. Kultur, so Diallo, ist etwas individuell historisch Vermitteltes, das niemals alle möglichen menschlichen Eigenschaften berücksichtigen kann. Entsprechend ist auch jede Kultur dieser Erde partiell und verfüge nur über einen Teil der menschlichen Eigenschaften – schöpfe also nicht alle dem Menschen zur Verfügung stehenden Potentiale aus. Auch der Begriff „Kultur“ sage nicht viel aus – in den meisten Sprachen der Welt gebe es dieses Wort nicht einmal. In seiner Muttersprache, Pular, wird zur Beschreibung dessen, was in westlichen Sprachen als Kultur bezeichnet wird, die Formulierung „unsere Art als Volk zu sein“ verwendet, was nicht identisch ist mit der geläufigen Definition von Kultur. Die Annahme, dass alle Personen, welche derselben Kultur entstammen vom Wesen her gleich seien, ist seiner Meinung nach sehr gefährlich, da ein Mensch durch weit mehr als nur durch seine Kultur definiert ist.
Entsprechend vermeidet Prof. Diallo auch den Begriff „interkultureller Dialog“ und verwendet statt dessen lieber die Formulierung „Dialog zwischen Menschen mit unterschiedlicher kultureller Prägung“.
Den Dialog definierte Prof. Diallo als einen Reflexionsprozess: Erst durch die Existenz des Anderen wird sich der Mensch seiner Existenz und seines Wesens bewusst und nur durch den dialogischen Austausch mit Anderen ist der Mensch in der Lage etwas über sich selbst zu erfahren und zu lernen. Der (interkulturelle) Dialog mit Menschen anderer kultureller Prägung sei insofern relevant, als dass sich der Mensch hierbei seiner eigenen kulturellen Prägung bewusst wird, welche er ohne die Begegnung mit dem Fremden nicht realisieren und nicht reflektieren könnte.
Einen wahren Dialog zwischen Menschen mit unterschiedlicher kultureller Prägung aus Afrika und Europa sieht Prof. Diallo meist nicht realisiert. Vielmehr wünscht er den Europäern, sie mögen von „ihrem hohen Ross herunterkommen“ und „erwachsen“ werden. Europa hat in den letzten Jahrhunderten viele Länder und Regionen dieser Welt beherrscht und dort Macht ausgeübt, aber durch den fehlenden Dialog in den Beziehungen mit den anderen Völkern und Kulturen nur sehr wenig aus seiner eigenen Geschichte gelernt. Die Europäer haben sich, so Diallo, nicht auf den Prozess der Selbstreflexion eingelassen und tun es bis heute nicht. Das Streben nach materieller Macht sei Europas Falle, die den Dialog auf gleicher Augenhöhe – zum Beispiel in den Beziehungen mit Afrika – verhindere und die Europäer noch immer aus einer höheren Position auf die anderen herabblicken lässt.