Zu Beginn seines Vortrages berichtete Baumann, dass obwohl auch zeitweise das Thema Afrika Inhalt der Gespräche mit der deutschen Regierung sei, es sich hierbei ohne Zweifel nicht um das prominenteste Thema der bilateralen Beziehungen handle. Trotz alledem verstehe er etwas mehr von Afrika, als ein durchschnittlicher amerikanischer Diplomat. Insgesamt 5 Jahre diente Baumann in Westafrika – in Liberia von 1996 bis 1999 und in Nigeria von 1999 bis 2001, also hauptsächlich unter der Clinton-Regierung.
Afrika sei nicht immer vernachlässigt worden, gab Baumann zu bedenken. Europa und seine Kolonien in Nordamerika hatten sich im Zeitalter des Sklavenhandels sehr intensiv mit Afrika befasst. Nach dem Zweiten Weltkrieg breitete sich die Entkolonialisierung über den gesamten Kontinent aus und in der bipolaren Welt des Kalten Krieges rangen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion um Einfluss in den neuen, unabhängigen Staaten. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, sei es schwer zu behaupten, Afrika sei vernachlässigt worden.
Baumann stellte daraufhin die Frage, warum sich die Vereinigten Staaten in den letzten anderthalb Jahrzehnten weiterhin in Afrika engagiert hätten? Ein wichtiger Grund sei, daß mehr als einer von acht Amerikanern afrikanische Vorfahren habe. Afroamerikanische Mitglieder des Kongresses hätten sich unermüdlich dafür eingesetzt, daß Afrika auf der Agenda der amerikanischen Außenpolitik blieb.
Hinzu käme ein zweiter Faktor für das amerikanische Engagement in Afrika: Die Chance, mit einem Kontinent, der reich an Naturschätzen ist, Handel treiben zu können. Ein dritter Faktor seien humanitäre Beweggründe. Misswirtschaft durch viele post-koloniale Regime habe zu einem Anstieg von Menschenrechtsverletzungen, regionalen Konflikten und wirtschaftlichem Stillstand in vielen Teilen Afrikas südlich der Sahara geführt. Die Folgen seien steigende Armut, Analphabetentum und Epidemien. "Diese Entwicklungen sind", so Baumann, "gerade wegen unserer geradezu verwandtschaftlichen Beziehungen mit Afrika für die Vereinigten Staaten Anlass zu großer Sorge. "
Ein weiterer Grund, weshalb die USA sich um Afrika sorgte, sei die Tatsache, daß es bislang unmöglich gewesen war, mit Afrika normalen Handel zu betreiben. Als Gründe gab Baumann politische Instabilität, das Fehlen von fähigen einheimischen Partnerorganisationen und die Gefahr von Krankheiten an. In einer sich immer stärker globalisierenden Welt sei die Furcht vor ansteckenden Krankheiten und unkontrollierter Emigration über Afrika hinaus ein weiterer Grund dafür, sich mit der humanitären Situation in Afrika zu befassen. Ähnlich wie europäische Partner engagierten sich Amerikaner in erster Linie in Afrika, um das menschliche Leiden dort zu lindern, äußerte Baumann.
Daraufhin stellte Baumann die Frage, welche Konzepte oder Prinzipien das amerikanische Engagement leiteten.
Als vier wichtigste Ziele und Prinzipien nannte er:
· gute Regierungsführung oder "good governance" zu fördern,
· wirtschaftliche Chancen und Wachstum zu ausbauen
· Krankheiten und Epidemien zu bekämpfen, und
· Kriegen und regionalen Konflikten zu beenden
Diese Ziele seien im Wesentlichen mit denen der Afrikanischen Union, der Vereinten Nationen, der Europäischen Union, der G8 und der internationalen Finanzorganisationen deckungsgleich. Baumann stellte anschließend jedes dieser Ziele aus einem amerikanischen Blickwinkel dar.
Am Ende seines Vortrages räumte Baumann ein, daß angesichts des Ausmaßes der Probleme Afrikas die Bemühungen der Vereinigten Staaten inadäquat oder nicht ausreichend erscheinen könnten. Aber mit einem Entwicklungshilfeetat, welcher sechs mal höher sei, als noch vor fünf Jahren und mit vielen neuen innovativen Programmen, wie dem Millennium Change Account, dem Africa Growth and Opportunity Act und dem President's Emergency Plan for AIDS Relief, ginge die amerikanische Politik zumindest in die richtige Richtung.