Joshua Kwesi Aikins erläuterte in seinem Vortrag, dass Berlin wie London und Paris eine Kolonialmetropole und von 1884 bis 1918 die Schaltzentrale des deutschen Kolonialreiches gewesen sei. Von dieser Stadt sei eine Aggression ausgegangen, die Menschen in West- und Südafrika, in Polynesien und in China ihres Landes, ihres Besitzes und allzu oft ihres Lebens beraubt habe. In diese Stadt seien in den Kolonien geraubte Güter gekommen, Kunstschätze und auch Menschen - meist aus Afrika - wo die deutschen "Besitzungen" am grössten waren. Sie kamen als Händler und Diplomaten, aber auch als Zwangsarbeiter, "Zooattraktionen" und als "Kriegsbeute". Die verdrängte deutsche Kolonialzeit habe Berlin mitgeprägt. Diese Vergangenheit und die daraus erwachsende Verantwortung sei noch überall in Berlin gegenwärtig. Dies werde jedoch häufig nicht wahrgenommen, da die Folgen kolonialer Vergangenheit nach wie vor als etwas betrachtet werde, das nur die "Opfer" betrifft. Auswirkungen auf Identität, Kultur, Wirtschaft in der Gegenwart des “Täterlandes” würden so ausgeblendet.
Aikins´ Multimediavortrag zeigte die Lebenswelt des heutigen Berlins mit Spuren aus dieser kolonialen Vergangenheit, von der noch heute wie selbstverständlich, häufig auch unbemerkt, profitiert werde.