Ansprenger

Prof. em. Dr. Franz Ansprenger

Prof. em. Dr. Franz Ansprenger

Er gilt als der bekannteste deutsche Forscher zur Politik Afrikas. 1968-1992 war er Leiter der Arbeitsstelle Politik Afrikas am OSI. Mit mehreren Werken über die Geschichte des afrikanischen Kontinents im 20. Jahrhundert brachte er die Politik Afrikas auch an andere deutsche Universitäten. Letzte Buchveröffentlichungen: Geschichte Afrikas, München 2. Auflage 2004, 128 S.: Wie unsere Zukunft entstand. Ein kritischer Leitfaden zur internationalen Politik, Schwalbach 3. Auflage 2005, 357 S.


Prof. em. Dr. Franz Ansprenger referierte im Rahmen der Ringvorlesung zu dem Thema "Welche Art Staat droht in Afrika zu zerfallen? Überlegungen zur vorkolonialen, kolonialen und postolonialen Erblasr afrikanischer Politik".



Franz Ansprenger begann seinen Vortrag mit der Bemerkung, dass das Zerfallen Afrikas in eine Treibsandlandschaft anstelle einer Staatengesellschaft nicht naturnotwendig in den nächsten 20-30 Jahren passieren müsse - entgegen des grassierenden Afro-Pessimismus in der Öffentlichkeit. Er glaube vielmehr an die konfliktvermeidenden und konfliktregelnden Traditionen einer erheblichen Zahl an afrikanischen Völkern, die bereits vor der europäischen Kolonialeroberung in politischen Gebilden lebten, welche von den Europäern als Staaten erkannt wurden - wenn auch nicht als gleichwertige Staaten. Speziell das 19. Jahrhundert war für Afrika, so Ansprenger, eine Zeit starker, eigenständiger, politischer Dynamik, die dann durch die Kolonialherrschaft abgewürgt wurde. Heute sei die Anklage gegen das, was man gern Afrikas nachkoloniale Staatsklasse nenne, eindeutig und seit ungefähr 1980 regelmäßig in der Presse nachzulesen. Stichworte wie Populismus, Korruption, Tribalismus führten schnell zu der westlichen Diagnose Staatszerfall, auch bei halbwegs demokratischen Zuständen. Demokratie im Zwielicht - das sieht Ansprenger als Afrikas Problem der absehbaren Zukunft. Der Weg am Staatszerfall vorbei oder aus dem Staatszerfall heraus wird nach Ansprengers Überzeugung markiert durch das Ausbrechen aus der Routine diplomatischer Höflichkeiten bei Staatsbesuchen oder der UNO. Dort herrsche Ignoranz und "null Interesse" gegenüber Afrika vor. Die Gesellschaften Europas, Afrikas, Asiens und vor allem der islamischen Welt brauchten einen offenen Austausch über jeweilige positive und negative politische Erfahrungen, ein gemeinsames Nachdenken und ein aktives Handeln für Demokratie.



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Publikumsdiskussion
Letzte Aktualisierung 09.09.2007 von rfsp

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