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Wintersemester 2006/2007

(Post)Kolonialismus, Rassismus und Weißsein und ihr Einfluss auf Repräsentationen von Geschlechterbeziehungen in Afrika

Dozentin: Daniela Hrzán

In diesem Seminar befassen wir uns kritisch und selbstkritisch mit ‚westlichen’ Darstellungen von Geschlechterbeziehungen bzw. geschlechtsspezifischen kulturellen Praktiken in afrikanischen Kontexten und analysieren diese am Beispiel von Female Genital Cutting (FGC). Das beständige Hinterfragen Weißer Vorannahmen, Perspektiven und Doppelstandards wie auch das Aufdecken von Rassismen in Repräsentationen von FGC und das Aufzeigen der Notwendigkeit einer differenzierten und kontextualisierenden Herangehensweise bilden dabei den roten Faden. Eine weitere Konstante ist die kritische Betrachtung der jeweiligen Bedeutung bzw. Konzeptualisierung von ‚Kultur’ sowie die Motivationen, Politiken und Handlungen, die an ein spezifisches Verständnis von ‚Kultur’ – gerade auch mit Hinblick auf die Wechselwirkungen von ‚Race’ und ‚Gender’ – geknüpft sind.
Das Seminar beginnt mit einer Einführung in die Begriffe bzw. Forschungsfelder Kolonialismus, Postkolonialismus, Rassismus, und Weißsein und gibt einen kurzen Einblick in die Entwicklung der Debatten über Female Genital Cutting. Ausgehend von einer historischen Perspektive diskutieren wir im Anschluss daran Bemühungen und Maßnahmen seitens MissionarInnen, gegen Beschneidung vorzugehen, und setzen diese in Beziehung zu Arbeiten, die das Verhältnis von ‚Gender’, ‚Kultur’ und nationalem Befreiungskampf berühren. Weitere Themenschwerpunkte sind feministische Debatten über FGC (einschließlich von Beiträgen afrikanisch-amerikanischer und afrikanischer Feministinnen und Aktivistinnen sowie aus dem sich neu formierenden Feld der African Gender Studies), FGC als entwicklungspolitisches Thema (gerade auch mit Bezug auf Debatten über ‚Gender’ und Entwicklung, ‚Kultur’ und Entwicklung sowie Rassismus und Entwicklungspoltik) und schließlich FGC als Gegenstand menschenrechtlicher Dokumente und Debatten (u.a. FGC als „harmful cultural practice“ nach UN-Definition, Universalismus vs. Partikularismus-Diskussion, Debatten rund um ‚Kultur’ und Menschenrechte sowie afrikanische Menschenrechtsentwürfe).
Ziel des Seminars ist es, sowohl Kontinuitäten als auch Veränderungen in den verschiedenen, auch disziplinär geprägten, Debatten über FGC herauszuarbeiten und diese mit Hilfe von Perspektiven der Postcolonial Studies und der Critical Whiteness Studies einzuordnen und kritisch zu analysieren.
Anmerkungen:
• Das Proseminar wird sowohl für Studierende der Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der FU sowie der Kulturwissenschaft und der Gender Studies an der HU angeboten.
• Gute Englischkenntnisse sind nötig, d.h. englische Texte müssen gelesen und verstanden werden können.


Afrika in Berlin - Die Rolle der Hauptstadt als Kolonialmetropole

Dozent: Yonas Endrias

Die deutsche Beteiligung am Kolonialismus und deren Auswirkung wurde lange unterschätzt und teilweise verleugnet. Die Entschuldigung der Bundesministerin für Entwicklungszusammenarbeit, Frau Wieczorek-Zeul, markierte einen Meilenstein in der Anerkennung der deutschen kolonialen Vergangenheit, und allmählich findet das Thema auch seinen Platz im akademischen Diskurs.
Die Rolle Berlins als Kolonialmetropole und Austragungsort wichtiger kolonialer Ereignisse wurde lange verkannt. Die berühmte Kongo-Konferenz/Berliner Afrikakonferenz 1884 fand auf Einladung von Bismarck in Berlin statt, wo europäische Kolonialmächte an einem Tisch saßen und Afrika mit dem Lineal wie einen Kuchen unter sich aufteilten. Von Berlin aus wurde der Befehl erteilt, der Hunderttausenden von AfrikanerInnen das Leben kostete. Der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts fand in Namibia statt. Von Berlin erging auch der Befehl, das erste offiziell als solches bezeichnete Konzentrationslager im damaligen Deutsch-Südwest zu errichten – Methoden, die später von den Nazis verwendet wurden.
Die Spurensuche in Berlin führte auch zur Ausstellung von Menschen aus den Kolonien als „Zooattraktionen“.
Wir werden uns mit der damaligen Debatte im Reichstag auseinandersetzen, sowie der Rolle des Auswärtigen Amtes und anderer Behörden als auch des Kolonialvereins und der Berliner Missionsgesellschaft.
Das öffentliche Straßenbild von Berlin weist viele koloniale Reste auf, die heute noch das Stadtbild prägen. Nicht nur Namen wie Wissmann, Peters, Nachtigall, Lüderitz weisen auf diese Geschichte hin, sondern auch Gedenksteine, die der Heldentaten der Kolonialtruppen gedenken, die für die Massenmorde verantwortlich sind.
Im Seminar werden wir uns nicht nur mit der vorhandenen Literatur auseinandersetzen, sondern wir werden auch einen gemeinsamen Rundgang durch die historischen Orte machen.
Wir werden mit Akteuren aus der NGO-Landschaft und der afrikanischen Diaspora diskutieren und den kolonialen Spuren im Alltag nachgehen, z.B., wofür steht der Name der Lebensmittelkette EDEKA: Einkaufsgemeinschaft deutscher Kolonialwarenhändler.


Psychoanalysis, Colonialism and Decolonization

Dozent: Dr. Grada Kilomba

Speaking about Colonialism implies a critical analysis on the white sadistic fantasies of conquest and possession. It is a complex dialogue between aggression and sexuality, racial anxiety, envy and desire, concious and unconcious, Self and 'Other.' Decolonization, on the other hand, is a process in which one repairs the trauma of absolute Otherness, by becoming the Self. Such dialogue requires not only a psychoanalytical vocabulary but also a deep understanding of the psychic processes involved in racism. In this course you will be introduced to the basic concepts of psychoanalysis and will develope an overview on Psychoanalytic theory, colonialism and decolonization. Film will be used as basic material.


Geschlecht, Kultur, Identität

Dozentin: Dr. Susanna Kahlefeld

Gegenstand des Seminars ist die neuere feministische Debatte, in der die Problematik der Geschlechterkonstruktion und der Konstruktion von „Race“- bzw. Kulturzugehörigkeiten im weiteren Rahmen einer Theorie kultureller Vielfalt und demokratischer Gleichheit auf einander bezogen werden. Den Anstoß für diese theoretische Weiterentwicklung gaben Afro-Amerikanerinnen und Feministinnen der Entwicklungsländer durch ihre politische Kritik am weißen, bürgerlichen Feminismus. Welche theoretischen, kategorialen Voraussetzungen (Identitätsbegriff etc.) haben es möglich gemacht, diese Kritik in eine Weiterentwicklung der feministischen Theorie umzusetzen? Im Seminar werden einige grundlegende Texte gelesen.


Konfliktmanagement in Afrika südlich der Sahara

DozentIn: Dr. Stefan Mair, Kerstin Petretto

Trotz etwas rückläufiger Zahlen ist Afrika südlich der Sahara immer noch jene Region, die die meisten Gewaltkonflikte zu verzeichnen hat. Seit Mitte der 90er Jahre gibt es verstärkte Bemühungen afrikanischer Akteure, aber auch internationaler bestehende Konflikte einzudämmen und zu befrieden sowie künftige zu verhindern. Parallel dazu gibt es auch in der Politikwissenschaft eine anhaltende Debatte über Konfliktursachen und deren wirksame Bekämpfung.
Das Hauptseminar befasst sich mit den Ursachen afrikanischer Kriege und Konflikte, den Akteuren und Instrumenten des Konfliktmanagements sowie mit zwei Fallstudien.
Für den Leistungsnachweis werden regelmäßige aktive Teilnahme am Hauptseminar, ein Kurzreferat und das Verfassen einer schriftlichen Hausarbeit erwartet.


Afrikanische Reformpolitik in Theorie und Praxis - Chancen, Strategien und Herausfor-derungen am Beispiel der NEPAD-Initiative

Dozentinnen: Dr. Uschi Eid; Nina Odenwälder

Die afrikanische Politik ist in den letzen Jahren durch einen grundlegenden Wandel und eine neue Reformdynamik gekennzeichnet. Auf Grundlage der panafrikanischen NEPAD-Initiative (NEPAD/ "New Partnership for African Development") hat dieser neue afrikanische Reformwillen zu konkreten politischen Schritten geführt und neue institutionelle Formen angenommen.
Das Seminar zeigt die Entstehung der NEPAD-Initiative als Folge und im Kontext des gesamtafrikanischen Umbruchs. Es diskutiert die Inhalte und Ansätze von NEPAD, sowie das Instrument zur gegenseitigen Überprüfung und Bewertung, den "African Peer Review Mechanism". Auch die Reaktionen der beteiligten (nicht-) afrikanischen Akteure sollen analysiert werden. Am Beispiel des deutschen Beitrags zur Umsetzung des G8-Afrika-Aktionsplans sollen getroffene Maßnahmen westlicher Industrieländer bewertet werden und die theoretischen Ansätze mit der praktischen Umsetzung abgeglichen werden.
Das Seminar wendet sich an Studierende im Hauptstudium. Für den Erwerb eines Leistungsnachweises werden ein Referat sowie eine Hausarbeit im Umfang von 25 Seiten vorausgesetzt.


Global and national environmental governance in Germany and Tanzania/ Kenya

Dozentin: Kerstin Ehrhardt



Der Themenschwerpunkt Afrika ist eine Initiative des OSI-Club e.V.

Letzte Aktualisierung 10.07.2008 von rfsp

Afrika in der "Edition OSI-Club"



der zweite Band


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