Dozent: Denis Tull
Im Gegensatz zu allen anderen Weltregionen ist die Zahl der gewaltsamen Konflikte in Afrika südlich der Sahara seit dem Ende des Kalten Krieges kaum zurückgegangen. Auf dem Kontinent finden 40 Prozent der weltweiten Konflikte statt. Gleichzeitig ist Afrika die wichtigste Zielregion von Friedensmissionen der Vereinten Nationen geworden. Rund zwei Drittel aller weltweit eingesetzten VN-Blauhelme sind in Afrika stationiert. Die Beilegung von Konflikten ist nur ein Ziel dieser Interventionen. Sie versuchen in einem umfassenden Sinn die Ursachen von Konflikten zu bearbeiten und die staatliche Ordnung wiederherzustellen (z.B. DR Kongo, Liberia, Sierra Leone). Ziel des Seminar ist eine vergleichende Untersuchung 1) von Konfliktursachen und Konfliktverläufen und 2) der Ziele, Strategien und Ergebnisse internationaler Interventionen in afrikanischen Krisenstaaten. In den ersten vier Sitzungen werden die theoretischen und empirischen Grundlagen zur Analyse von Konfliktursachen in Afrika erarbeitet. Im Mittelpunkt werden dabei Fragen politischer Ordnung und staatlicher Herrschaft in Afrika stehen. Wir werden uns außerdem mit konkurrierenden Ansätzen zur Erklärung von Konflikten auseinandersetzen (Ethnizität, wirtschaftliche Faktoren). In zwei weiteren Sitzungen werden wir uns mit den Themen internationale Sicherheit, internationale Interventionen und Peacekeeping befassen. Aufbauend auf diesem „Rüstzeug“ wird der inhaltliche Schwerpunkt des Seminars auf Fallstudien zu afrikanischen Konflikten und internationalen Interventionen liegen. Die Fallstudien werden dazu dienen, die Komplexität von Konflikten/Interventionen, aber auch erkennbare Muster und Gemeinsamkeiten zu verstehen.