Dozentin: Peggy Piesche
Der US-amerikanische Historiker Charles Maier unterbreitete unlängst den Vorschlag, Kolonialismus als supranationales Masternarrativ zu entwickeln, um historische Prozesse und aktuelle gesellschaftliche Dynamiken aus postkolonialer Perspektive zu resituieren. Diesbezüglich scheint etwa auch der postkoloniale Paradigmenwechsel bedeutsam, der sich mit der Kritischen Weißseinsforschung verbindet. Das Seminar widmet sich einer so zu verortenden Einordnung von Weißsein als Konstruktion, Mythos und kritischer Wissenskategorie. In einem ersten Schritt wird der Begriff der "Rasse" historisch verortet und als Konstrukt und Mythos identifiziert. Vom Konzept des "racial turn" ausgehend wird sodann die Kritische Weißseinsforschung methodisch eingeordnet und Weißsein als kritische Wissenskategorie fruchtbar resituiert. Darauf aufbauend wollen wir Weißsein als Konstituente der europäischen Geistes- und Literaturgeschichte und deren Ursprungsmythen identifizieren und dekonstruieren. Ausgehend von Weißsein als kulturwissenschaftlicher Analysekategorie wollen wir Konzeptionen und Markierungsmuster von Weißsein diskutieren und die Präsentation von Weißsein in seinen Kontinuitäten, Transformationen und Friktionen beschreiben. Zudem ist dem Postulat einer rassialisierten map of misreading (Bloom) sowie der Hypothese nachzugehen, das Leseerwartungen von einer Kongruenz in der rassialisierten und geschlechtergeprägten Position von Autor und Figuren (Protagonist/Erzählperspektive) ausgehen.
Ausgewählte Seminarlektüre:
Morrison, Toni. Playing in the Dark. Whiteness and the Literary Imagination. Cambridge, Mass.: Harvard University Press, 1992
Morrison, Toni. "Recitatif." in: African American Literature. A Brief Introduction and Anthology. Hrsg. von Al Young. Berkeley: University of California Press, 1996: 209-224.
Kant, Immanuel: Bestimmung des Begriffs einer Menschenrasse, (Darmstadt 1970, Bd. 9), 65-82.
Wolfram von Eschenbach. Parzival. Berlin 1998
William Shakespeare. The Tempest. Berlin 1998